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Frühkritik | Beitrag vom 07.11.2019

Neu im Kino: "The Report"Wenn der Staat verhört und foltert

Von Anke Leweke

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Adam Driver als Senatsmitarbeiter Daniel Jones sitzt vor hinter hohen Papierstapeln an seinem Schreibtisch. (DCM/ Atsushi Nishijima)
Adam Driver als Daniel Jones in "The Report". (DCM/ Atsushi Nishijima)

"The Report" basiert auf jahrelangen Recherchen, um die Foltermethoden der CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 an die Öffentlichkeit zu bringen. In seiner investigativen Machart erinnert der Film an Politthriller wie "Die Unbestechlichen".

Um was geht es?

Der Film rekonstruiert die jahrelangen Recherchen und Untersuchungen von Daniel Jones (Adam Driver), der sich maßgeblich dafür einsetzte, dass die Foltermethoden der CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 an die Öffentlichkeit kamen.

Von seiner Chefin (Annette Bening), der Senatorin Dianne Feinstein, bekommt Jones den Auftrag, einen Bericht über ein Inhaftierungs- und Verhörprogramm der CIA zu leiten. Dabei stößt er auf Widerstände innerhalb des Geheimdienstes und im Weißen Haus, trifft aber auch auf Mitarbeiter, die sich schuldig fühlen und ebenfalls wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. 

Was ist das Besondere?

Scott Z. Burns greift die Tradition des Politthrillers der 1970er-Jahre auf, in seiner investigativen Machart erinnert er an Enthüllungsfilme wie etwa "Die Unbestechlichen" über die Watergate-Affäre oder "Drei Tage des Condor", der auch schon die abgründigen Machenschaften der CIA zum Thema hatte.

Mit seinem Helden begibt sich der Film immer wieder in neonbeleuchtete Räume ohne Fenster. Geduldig und akribisch wälzt Jones tagein und tagaus Akten, gibt jedem Detail in seinem 6.700 seitenlangen Bericht nach. Er ist ein Patriot, der an die Werte der Demokratie glaubt und diese verteidigen möchte.

Doch sieht er sich mit den äußerst fragwürdigen Methoden eines Geheimdienstes konfrontiert, der den Staat, den er eigentlich schütze sollte, mit totalitären Tendenzen unterwandert. Zudem muss Jones feststellen, dass Macht und Moral auch in einer sich Demokratie nennenden Gesellschaft nicht immer Hand in Hand gehen.

Die Bewertung

Gerade weil der Film den sachlichen und nüchternen Tonfalls eines Berichts übernimmt, verdeutlicht er noch einmal, dass Folter ein nicht zu rechtfertigendes Mittel ist, dass Folter die Rechtsstaatlichkeit und die Menschenwürde verletzt. Auch spricht der Film aus, dass sie zu keinem Ergebnis geführt hat. Ein Verdächtiger wurde 109 dem schrecklichen Waterboarding ausgesetzt. Er hatte nichts zu sagen.

The Report
Drama, USA 2019
Regie: Scott Z. Burns
mit u. a. Adam Driver, Annette Bening, Jon Hamm
Länge: 120 Minuten. FSK: Ab 12

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