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Frühkritik | Beitrag vom 27.08.2015

Neu im Kino: "Straight outta Compton"Geschichte des Gangsta-Rap

Von Anke Leweke

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O'Shea Jackson Jr. als Ice Cube in einer Szene des Kinofilms "Straight Outta Compton" (undatierte Filmszene). (picture alliance / dpa / Jaimie Trueblood / Universal Pictures)
O'Shea Jackson Jr. als Ice Cube in einer Szene des Kinofilms "Straight Outta Compton" (undatierte Filmszene). (picture alliance / dpa / Jaimie Trueblood / Universal Pictures)

"Straight Outta Compton" hieß das Debütalbum der Hiphop-Combo N.W.A. Der gleichnamige Film zeigt den Beginn und die Karriere der Gruppe und damit auch den Aufstieg des Gangsta-Rap. Zugleich schildert er, wie Rassismus und der Alltag in den Ghettos das Leben der Schwarzen prägen.

Dieser Film ist eine Zeitreise, man findet sich - Mitte der Achtzigerjahre - in L. A. in den Ghettos wieder. Ständig kreisen Polizeihubschrauber. Bandenkriege, Polizeirazzien und andere gewalttätige Auseinandersetzungen bestimmen den Alltag. Die Eltern sind von der Arbeit dauererschöpft.

Um in die Schule zu kommen, müssen die schwarzen Kids 30 Kilometer mit dem Bus fahren. Auch dort kommt es zu permanenten Rangeleien. Nur einer sitzt ruhig in einer Ecke und schreibt. Er macht sich Notizen für Songtexte, thematisiert seinen Alltag, seine Wut. Sein Name ist O'Shea Jackson, der sich später den Kampfnamen Ice Cube geben wird.

In dieser Szene stilisiert er sich ein wenig zum Poeten der Straße. Und tatsächlich waren Ice Cube und Dr. Dre, die Erfinder des Gangsta-Rap, am Drehbuch und der Produktion von "Straight Outta Compton" beteiligt. Sie erzählen ihre eigene Geschichte. Einerseits ist es die klassisch amerikanische Geschichte vom Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen, andererseits bleibt es aber eine schwarze Erfolgsgeschichte. Sie erzählt auch von einem politischen Kampf, vom Rassismus der Reagan-Ära, vom harten Alltag in den Ghettos.

Wer rappt, dealt nicht

Wer rappt, dealt nicht - mit diesem Motto machten sich die Musiker an die Arbeit. Man sieht, wie ihre Wut in die Texte einfließt. Man erlebt, wie diese Wut von anderen Menschen geteilt wird, wenn Tausende mit erhobenem Mittelfinger zu "Fuck Tha police" mitrappen. Wegen ihrer Texte werden sie von der Polizei verfolgt, dadurch noch prominenter.

Es ist schwer zu sagen, ob freiwillig oder unfreiwillig, jedenfalls erzählt der Film auch, wie der Gangsta-Rap zur Geschäftsidee wird, die sich immer besser vermarkten lässt. Dre, Ice Cube müssen in einem von Weißen dominierten Geschäft zwar ihr Lehrgeld bezahlen, aber am Ende wartet der Ferrari mit den vergoldeten Rädern.

Und spätestens in diesem Moment haben sie sich von der Kultur entfernt, aus der sie kommen. Dennoch hat der Film, hat die Wut und Trauer, die er beschreibt, immer noch Aktualität. Rassistische Übergriffe gehören nach wie vor zum Alltag in den USA. Es braucht eine Protestkultur. Zwei Tage nach dem Todestag von Michael Brown, der von einem weißen Polizisten erschossen wurde, hatte "Straight outta compton" seine Premiere. Der Film ist der Sommerhit in den USA.

 

Straight Outta Compton
Regie: F. Gary Gray
Darsteller: O'Shea Jackson Jr, Corey Hawkins, Jason Mitchel
USA 2015
147 Minuten

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