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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 28.05.2014

Neu im KinoStimmungsvolle Belebungskost

"Maleficent – Die dunkle Fee" von Robert Stromberg

Von Hans Ulrich Pönack

Angelina Jolie spielt die böse Fee in "Maleficent". (picture alliance / dpa)
Angelina Jolie spielt die böse Fee in "Maleficent". (picture alliance / dpa)

Robert Stromberg bringt mit "Maleficent" die Geschichte der bösen Fee aus dem Märchen "Dornröschen" auf die Leinwand. Sein Regiedebüt ist mitunter etwas schematisch erzählt, dafür können sich die Augen an der gewaltigen Optik sattsehen.

Wir kennen sie alle, die dreizehnte Fee, die – nicht zur Taufe von Dornröschen eingeladen – zur bösen Fee wird und das Kind zu hundertjährigem Schlaf verdammt. Jetzt kommt sie wieder auf die Leinwände, größer und umfangreicher denn je. Erstmals piesackte sie bildlich in dem 16. abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilm "Dornröschen und der Prinz" von 1959 das Königskind, diese garstige Zauberin Malefiz. Die jetzt korrekt Maleficent heißt. Und bereits in den Urfassungen des Märchens von Charles Perrault (1697) und den Brüdern Grimm (1812) als böse Hexe "vorhanden" war. Jetzt wird sie sagenhaft und außergewöhnlich porträtiert.

Wir befinden uns in einem prächtigen Zauberwald mit Wasserfällen, knorrigen Bäumen, schönen Blumenwiesen und einem mystischen Moorgebiet. Hier leben viele kauzige Figuren – animalische Reptilien ebenso wie putzige Fantasy-Gestalten. Sie leben da gemeinsam wie eine übermütige Patchworkfamily, und Quasi-Familienoberhaupt ist die attraktive, gutherzige, spaßige und immer gut gelaunte Zauberlady Maleficent. Doch dann ist plötzlich Schluss mit lustig. Schuld daran ist der Bengel Stefan (Sharlto Copley) aus dem Reich hinter dem Moor. Er traut sich hierher, säuselt der gutgläubigen Maleficent Liebe vor, klaut aber stattdessen ihre Flügel und haut ab. Wird dann tatsächlich Herrscher, bekommt sein Königskind, Aurora, später Dornröschen, die nun ihrerseits von der vom Verrat gepeinigten Maleficent märchengerecht verflucht wird.

Ulkig-unterbelichtete Feen

Währenddessen wird die niedliche kleine Prinzessin (in klein von der fünfjährigen Angelina-Jolie-Tochter Vivienne gespielt, später von Ellen Fanning) von drei, sagen wir mal, nicht "ganz so talentierten" und auch ziemlich ulkig-unterbelichteten Feen namens Knotgrass (Imelda Staunton), Flittle und Thistlewit in einem Waldhaus mehr schlecht als recht aufgezogen. Erst nach ihrem 16. Geburtstag darf die unwissende Aurora ins familiäre Schloss zurückkehren. So ist die Anweisung vom Königsvater Stefan.

Natürlich lässt Maleficent die Kleine ständig beobachten und zwar durch ihren engsten Adlaten Diaval (Sam Riley). Ihn verwandelt sie öfter als ihm lieb ist in einen schwarzen Raben, damit er umherfliegen und seiner Herrin Bericht erstatten kann. Oder sie setzt ihn als Wolf oder Drachen ein, damit er Schrecken verbreiten und auszukeilen vermag. Doch dann ist es soweit: Eines freundlichen Tages begegnen sich Aurora-Dornröschen und Maleficent. Im Wald. Die pure Unschuldige und die vermeintliche lakonisch-niederträchtige Nur-noch-Böse. Was doch eigentlich für zwei zauberhafte, zusammenpassende Wesen, die so friedfertig und entspannt miteinander kommunizieren können. Einerseits ...

Die mit "verantwortungsvollem" 3-D gefütterten Augen dürfen sich satt sehen, die Sinne werden aufs Angenehmste unaufgeregt verwöhnt. Die Schauwerte sind enorm. Lockern immer wieder das mitunter etwas schematisch bewegte Drama originell auf. Wenn Maleficent über und durch prächtige Gegenden rasant saust, vermag die Kamera von "Oscar"-Preisträger Dean Semler ("Der mit dem Wolf tanzt") grandios Augen-tanzen. Und wenn die nicht durchweg komischen Verrenkungen der drei bisweilen zu hysterischen Feenerzieherinnen – mal in 50 Zentimeter klein abhebend, mal echt groß – nicht für die erhoffte ironische Ablenkung sorgen, sind es doch gleich wieder Ausstattung, Dekor und Kostüme, die für stimmungsvolle Belebungskost sorgen.

Angelina Jolie dominiert das Leinwandgeschehen

Was nicht verwundert, hat doch Regisseur-Debütant Robert Stromberg als Produktionsdesigner zwei große "Oscar"-Trophäen eingeheimst (als einer von drei Szenenbildner für "Avatar" von James Cameron, 2010 sowie ein Jahr darauf als Best Art Director für "Alice im Wunderland" von Tim Burton). Sein Herstellen, Inszenieren von Kino ist vor allem am Entwickeln von gewaltiger Optik orientiert, zum überwältigenden (An-)Schauen. Und dieses Wahrnehmen funktioniert hier ebenso Gemälde-prächtig wie auch ausgiebig charmant. Übertrumpft locker zwischenzeitliche erzählerische Strecken.

Weil sie natürlich gigantisch dominiert: Angelina Jolie. In verblüffender, begeisternder, extravaganter Maske. Hollywoods bester Masken-Mann, der siebenfache "Oscar"-Preisträger Rick Baker (unter anderem für "American Werwolf", "Der verrückte Professor", "Men In Black"), schuf ihr ein sensationelles Äußeres: mit ausgeprägten Wangenknochen, dem blassen Gesicht, einem Turban mit zwei schwarzen Hörnern und, und, wirkt sie unheimlich, animalisch, melancholisch finster. Das Böse ist hier kraftvoll, feminin, gefühlsbetont. Angelina Jolie, 37 zur Drehzeit, kriegt die Balance zwischen hassendem Satan und Persönlichkeit mit Herz genau auf den Punkt hin. "Maleficent – Die dunkle Fee" ist ein gelungenes Kinoereignis geworden.

USA 2012/2013; Regie: Robert Stromberg; Darsteller: Angelina Jolie, Sharlto Copley, Imelda Staunton; Kamera: Dean Semler; Maske: James Newton Howard; 96 Minuten

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