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Frühkritik | Beitrag vom 22.09.2016

Neu im Kino: "Snowden"Einer gegen das Überwachungssystem

Von Hans-Ulrich Pönack

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Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden in dem Film "Snowden" (dpa/Foto: Universum Film)
Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden in einer Szene aus dem Film "Snowden". (dpa/Foto: Universum Film)

Drei Jahre nach den Enthüllungen von Edward Snowden über die Massenüberwachung der Geheimdienste stellt sich Starregisseur Oliver Stone jetzt an seine Seite und bietet ihm mit "Snowden" ein Forum. In den USA gilt der Whistleblower hingegen vielen als Verräter.

Er zählt zu den bedeutendsten wie kontroversesten Filmemacher überhaupt: der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Oliver Stone. Die Filme des dreifachen Oscar-Preisträgers ("Midnight Express", "Platoon" und "Geboren am 4. Juli") zählen zu den besten in der Filmgeschichte: aussagekräftig und provokant, politisch brisant und dabei unterhaltsam. Jetzt also "Snowden". Dieses Projekt nahm seinen Anfang 2014. Als das mit dem Oscar belobigte Dokumentarfilmmeisterwerk "Citizenfour" von Laura Poitras herauskam. Im Zentrum standen Edward Snowden und die aufgenommenen Gespräche mit ihm 2013 in einem Hotelzimmer in Hongkong. Auch für Oliver Stone ist dies der Ausgangspunkt der Aufarbeitung der wichtigsten Lebensstationen des bekannten Whistleblowers.

Edward Joseph "Ed" Snowden (Joseph Gordon-Levitt) ist zwar ein Schulabbrecher, aber einer mit Ambitionen. Und: Er ist technisch hochbegabt. Die Terror-Attacken vom 11. September 2001 haben ihn zum Patrioten werden lassen. Er meldet sich freiwillig, um im Irak-Krieg zu dienen, bricht sich aber bei einem Trainingsunfall beide Beine. "Es gibt andere Wege, deinem Land zu dienen", tröstet ihn der Arzt.

Zugriff auf geheime Unterlagen

2005 geht Snowden zum Geheimdienst CIA, wo er im Sicherheitsbereich tätig ist und aufgrund seines Talents schnell aufsteigt. 2009 wechselt er zur Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, die im Auftrag des Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung mitarbeitet. Im Rahmen dieser Aufgabe hat er als Techniker auch Zugriff auf geheime Unterlagen. Sein Mentor wird Corban O'Brian (Rhys Ifans), ein mächtiger "Big Brother"-Strippenzieher hinter den Geheimkulissen, der von den außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten dieses schmalen Burschen beeindruckt ist und dessen Einwände – ob der rechtlichen Angemessenheit des geheimen Überwachungshandelns – abschwächt: "Die meisten Amerikaner wollen nicht Freiheit, sie wollen Sicherheit."

Oliver Stone verschafft Snowden ein Forum. Stellt sich natürlich auf seine Seite und zeigt einen Mann, der sein bisheriges, auch finanziell komfortables Leben, auslöscht, weil er es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Joseph Gordon-Levitt spielt seinen Titelhelden mit einer Mischung aus scheu und wütend. Mal als zerbrechlich wirkenden Jüngling, mal als selbstbewussten Enthüller.

Ein spannender Unterhaltungsfilm über unsere Zeit. Das 21. Jahrhundert im Spiegel eines packenden, aufklärerischen, nachhaltigen, faszinierenden Meinungswerks.

"Snowden" 
USA, Deutschland, Frankreich 2016
Regie: Oliver Stone / Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Melissa Leo
Spionagethriller 
2 Std. 15 Min, FSK ab 6

"Snowden" bescherte Oliver Stone in den USA den schlechtesten Start eines seiner Filme. Dort gilt der Whistleblower vielen als Verräter, berichtet Korrespondent Andreas Horchler.

Stones Film "Snowden" hat in den US-Kinos den schlechtesten Filmstart all seiner Filme hingelegt. Vorbei sind auch die großen Proteste vor dem Kapitol in Washington, wo vor drei Jahren noch die Menschen mit dem Slogan "Sie hören uns ab, wir kämpfen dagegen" gegen die Massenüberwachung der US-amerikanischen Geheimdienste demonstrierten.

Edward Snwoden selbst, der nach wie vor im russischen Exil lebt, glaube, vielen Amerikanern sei die Auseinandersetzung über Sicherheit und Privatsphäre und Geheimdiensten und ihre technisch hochkomplexe Spionage zu kompliziert.

Für viele ein Verräter

Für viele gilt er als Verräter. Bei einer Rückkehr in die USA würde ihn ein Spionageverfahren erwarten. Die Zeitung "The Guardian" schrieb von einem möglichen Strafmaß von 30 Jahren Gefängnis.

Der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses nannte Snowden kürzlich einen "Verräter" und "einen frustrierten, rachsüchtigen Kriminillen". Auch US-Präsident Obama vertritt die Meinung, Edward Snwoden müsse in den USA vor Gericht gestellt werden. 

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