Seit 15:05 Uhr Tonart
Dienstag, 28.09.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 01.09.2021

Neu im Kino: "Räuberhände"Erwachsenwerden auf dem Weg nach Istanbul

Von Jörg Taszman

Zwei junge Männer sitzen vor der Skyline von Istanbul. (Salzgeber)
Zwei Freunde unterwegs: Nach dem Abitur brechen Janik (Emil von Schönfels) und Samu (Mekyas Mulugeta) auf nach Istanbul. (Salzgeber)

Auch das kann deutsches Kino: Mit "Räuberhände" hat Ilker Çatak einen gelungenen Coming-of-Age-Film gedreht. Darin überzeugen nicht nur die Schauspieler, sondern auch große Themen werden angepackt.

Um was geht es?

Janik und Samu sind seit Kindheitstagen beste Freunde und stehen kurz vor dem Abitur. Danach geht es zusammen in die Türkei, wo Samu hofft, eventuell seinen biologischen Vater zu treffen.

Das ist der Plan und davon kann die beiden Jungs nichts abbringen: weder Janiks Freundin noch die Eltern. Kurz vor der Abfahrt wird die Freundschaft der beiden durch eine sexuelle Eskapade Janiks im Rausch ernsthaft belastet.

Was ist das Besondere?

Die Verfilmung des Romans "Räuberhände" überzeugt durch die beiden natürlichen, jungen Hauptdarsteller und das gesamte Schauspielerensemble. Die etwas komplexere Coming-of-Age Geschichte unter zwei besten Freunden unterhält durch lebensnahe Dialoge und eine sehr mobile, fließende Kamera von Judith Kaufmann.

Dabei fängt Ilker Çatak gekonnt Stimmungen ein. Neben Eifersucht, homoerotischer Anziehung, Spannungen in einer langjährigen Freundschaft oder Lust auf Frauen inszeniert er gekonnt eine gewisse Ziellosigkeit, die sich vor allem im zweiten Teil des Films in Istanbul widerspiegelt. Dabei lässt er die unterschiedlichen sozialen Milieus von Janik und Samuel nicht außer Betracht.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Fazit

Ein ebenso kraftvoller wie sinnlicher Film um zwei große Jungs, die sich von ihren Elternhäusern abkapseln, aber nicht sofort erwachsen werden möchten. Dabei schwingt auch eine dramatische Komponente um Samuels Mutter mit, die Alkoholikerin ist, ihren Sohn durchaus liebt, aber von ihm auch immer wieder auf Distanz gehalten wird.

Und so sieht man endlich einmal eine deutsche Produktion, die ebenso spielerisch wie ernsthaft Themen wie das Erwachsenwerden, Migration, soziale Kluft und die Lust auf das Leben mit allen Irrungen überzeugend in großartige Kinobilder verpackt.

Räuberhände
Deutschland 2021
Regie: Ilker Çatak
Mit: Emil von Schönfels, Mekyas Mulugeta, Katharina Behrens, Godehard Giese

Mehr zum Thema

Neu im Kino: "The Father" - Schleichender Kontrollverlust
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 26.08.2021)

Neu im Kino: "Doch das Böse gibt es nicht" - Moral in einem totalitären System
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 19.08.2021)

Neu im Kino: "Falling" - Sturer Vater, stoischer Sohn
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 12.08.2021)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur