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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.06.2014

Neu im KinoPorträt einer verkannten Künstlerin

"Violette" - der neue Film von Martin Provost

Von Jörg Taszman

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Emmanuelle Devos und Sandrine Kiberlain in "Violette" (picture alliance / dpa)
Emmanuelle Devos und Sandrine Kiberlain in "Violette" (picture alliance / dpa)

"Violette" ist das Porträt der Schriftstellerin Violette Leduc. Emmanuelle Devos überzeugt dabei in der Hauptrolle, ebenso wie Sandrine Kiberlain als Simone de Beauvoir. Allerdings: Mit über zwei Stunden ist Martin Provosts Streifen ein wenig lang.

Bereits mit seiner filmischen Biographie über die in Vergessenheit geratene Künstlerin Séraphine bewies Regisseur Martin Provost sein Interesse an verkannten Künstlerinnen, die nicht aus dem Bildungsbürgertum stammen. Mit Violette Leduc rückt er nun eine Schriftstellerin in den Mittelpunkt, die am Ende des 2. Weltkrieges zunächst von einem homosexuellen Schriftsteller und Kollaborateur zum Schreiben ermutigt wird. Sie lebt mit ihm aber auch eine selbstzerstörerische, obsessive Beziehung aus.

Violette Leduc kann nicht loslassen, auch nicht ihre Gönnerin Simone de Beauvoir, die sie in den späten 50er Jahren entdeckt und fördert. Ihre Bücher werden zum Skandal und teilweise zensiert, weil Violette Leduc offen über Sexualität und ihre Liebe zu Frauen schreibt. Mit "Die Bastardin" schreibt sie 1964 sogar einen Bestseller und gerät doch wieder in Vergessenheit.

Martin Provost dreht klassische Filme, man könnte sie auch altmodisch nennen. Er interessiert sich mehr für die Geschichte als die filmische Form und setzt auch diesmal auf gute Darsteller. Emmanuelle Devos versteht es, Violette als eine besessene, zweifelnde und zwiespältige Frau zu verkörpern, die mitunter nur schwer zu ertragen ist.

Sandrine Kiberlain als Simone de Beauvoir gibt überzeugend die kühle und coole Intellektuelle, die privat sehr auf Distanz geht, aber durchaus das Talent von Violette Leduc erkennt und sie immer wieder antreibt, kritisiert und fordert. Und so sieht man einen durchaus gelungenen, informativen Film, der jedoch mit einer Länge von zwei Stunden und 19 Minuten etwas zu lang(atmig) geraten ist.

Violette
Frankreich, 2013, Regie: Martin Provost, Darsteller: Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Olivier Gourmet, 139 Minuten, FSK: ab 12 Jahren freigegeben

 

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