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Frühkritik | Beitrag vom 19.01.2017

Neu im Kino: "Personal Shopper"Dusselig transzendentales Sehnsuchtsgeplärre

Von Hans-Ulrich Pönack

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Eine einsame Proletarierin der Modeindustrie: Kristen Stewart als Maureen im Film "Personal Shopper" von Olivier Assayas (Weltkino Filmverleih)
Eine einsame Proletarierin der Modeindustrie: Kristen Stewart als Maureen im Film "Personal Shopper" von Olivier Assayas (Weltkino Filmverleih)

Die junge Amerikanerin Maureen ist in Paris als persönliche Einkäuferin für Stars und Sternchen unterwegs. Zugleich ist sie aber auch ein Medium, das Kontakt zum verstorbenen Bruder sucht. "Atmosphärischer Pseudo-Grusel-Okkultismus", findet Hans-Ulrich Pönack.

Die junge Amerikanerin Maureen (Kristen Stewart) ist in Paris als persönliche Einkäuferin für Stars und Sternchen unterwegs. Das ist halbwegs normal.

Weniger normal ist ihr Zweites Gesicht: Maureen versteht sich auch als spirituelles Medium. Was bedeutet, dass sie mit Verstorbenen kommunizieren zu kann. Und dies ist derzeit eigentlich wichtiger als ihr Job, denn seit Wochen hofft sie, dass sich endlich ihr verstorbener Zwillingsbruder Lewis meldet.

Zu Lebzeiten von Lewis hatten die beiden – mit kränklichen Herzen versehen - einen Pakt verabredet: Wer sich zuerst im Jenseits befindet, soll dem anderen Zeichen senden.

Maureen zieht sich in das leere Haus zurück, wo beide einst aufwuchsen. Nachts glaubt sie etwas "gehört" und auch im Dunst "gesehen" zu haben, jedoch: Nichts Genaues weiß man nicht. Zweifel und Hoffnung weiterhin.

Geheimnisvolle SMS-Botschaften

Weiter geht es, denn: Ihr Job winkt. Maureen düst hin und her, per Moped, Eisenbahn, kauft hier und dort luxuriös für Promi-Model Kyra (Nora von Waldstätten) ein, probiert auch schon mal deren Kleider und Schmuck, begegnet bei ihrer Auftraggeberin deren Freund (oder Ex?), dem mysteriösen Ingo (Lars Eidinger). Kurzer Small Talk.

Nächste Station: Die SMS-Kiste. Maureen wird behelligt. Bekommt über ihr Handy andauernd anonyme, geheimnisvoll klingende Botschaften. Im Frage- und Antwort-Spiel. Ist da etwa ihr Lewis aktiv? Ewiges hin und her. Wir ahnen, dass der eigenartige Ingo dahintersteckt, doch darauf kommt Maureen nicht.

Atmosphärischer Pseudo-Grusel-Okkultismus. Mit viel theoretischem Geschwafel, historischen Verweisen und der schmucken Kristen Stewart im Dauer-Einsatz als zerrissene Heldin. Was sich allerdings bald schon abnutzt.

Ausgebuht in Cannes

Der französische Drehbuch-Autor und Regisseur Olivier Assayas (zuletzt, 2014: "Die Wolken von Sils Maria") bekam anlässlich der Präsentation des Films beim vorjährigen Cannes-Festival viele Zuschauer-Buhs zu hören, von der Jury jedoch den "Regiepreis" zuerkannt.

Mich ermüdet der Film ziemlich schnell, auch wenn Kristen Stewart viel Energie präsentiert. Aber "Personal Shopper" hat keine überzeugende Geschichte, sondern eine Story, die aufgeteilt ist in Spannungsnummern ohne Suspense. Mal lächerlicher Altbau-Grusel, mal ausgiebige fragwürdige (simple) Handy-Gespräche, mal ernsthafte Diskussionen über angeblich existierende Hinweise auf Kommunikationsmöglichkeiten mit Toten.

Heiliger Bimbam bei diesem dussligen transzendentalen Sehnsuchtsgeplärre.

Personal Shopper
Frankreich/Deutschland 2016
Regie und Buch: Olivier Assayas.
Mit: Kristen Stewart, Lars Eidinger, Sigrid Bouaziz, Anders Danielsen Lie, Nora von Waldstätten, Milan Peschel.
Länge: 105 Minuten. FSK: ab 12 Jahren

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