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Frühkritik | Beitrag vom 22.08.2019

Neu im Kino: "Paranza - Der Clan der Kinder"Im Strudel der Gewalt

Von Jörg Taszman

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Die jugendlichen Darsteller aus "Paranza - Der Clan der Kinder", v.l.n.r.: Ar Tem, Francesco Di Napoli, Pasquale Marotta, Carmine Pizzo, Alfredo Turitto, Ciro Pellecchia (picture alliance/Everett Collection)
Die jugendlichen Darsteller aus "Paranza - Der Clan der Kinder" von Claudio Giovannesi, v.l.n.r.: Ar Tem, Francesco Di Napoli, Pasquale Marotta, Carmine Pizzo (picture alliance/Everett Collection)

Sie streben nach Luxus und Geld. Und sie sind noch nicht einmal erwachsen. "Paranza - Der Clan der Kinder" nach dem Bestseller von Roberto Saviano erzählt von den so genannten Baby-Gangs in Neapel - ein harter Coming-of-Age-Film aus dem Süden Italiens.

Worum geht es?

Sie sind erst 15 Jahre alt und wollen zunächst die etablierten Kriminellen ihres Viertels in Neapel verjagen und die verhassten Schutzgelder abschaffen. Wer jedoch Macht will, der braucht Waffen. Und so verbünden sie sich mit einem anderen, etablierten Clan. Der Erfolg steigt den Jungs schnell zu Kopf. Sie verprassen das Geld, machen ihren Angehörigen teure Geschenke. Tragikomisch und rührend ist es, wenn der Boss der Kinder, Nicola, seiner Mutter für 12.000 Euro teure Geschenke macht. Aber schnell geraten die Kinder in einen Strudel der Gewalt, der tödlich endet.

Filmemacher Claudio Giovannesi führte bereits bei zwei Folgen der Mafiaserie "Gomorrha" Regie und suchte sich seine Protagonisten sorgfältig unter 4000 Kindern aus Neapel aus. Ganz bewusst drehte Giovannesi nur chronologisch, gab seinen jugendlichen Darstellern nicht das Drehbuch zu lesen. Und so erreicht er, dass man als Zuschauer diese Geschichte der sogenannten Baby-Gangs glaubt, ebenso erschüttert wie berührt ist, wenn die Jungs einerseits zynisch zur Gewalt greifen und dann manchmal noch wie verwirrte und überforderte Kinder agieren.

Bewertung

In Italien haben über 250.000 Zuschauer "Paranza - Der Clan der Kinder" im Kino gesehen. Auf der Berlinale gab es einen Silbernen Bären für das Beste Drehbuch. Regisseur Claudio Giovannesi knüpft mit seinem Film weniger an die Tradition der Antimafia-Filme an. Er hat einen viel härteren, rauen Coming of Age Film über eine Generation gedreht, die sich mit Hilfe von Kalaschnikows Macht und materiellen Reichtum erobern will. In dieser Welt geht es nur um Klamotten, Geld und Follower. Für Solidarität und Mitgefühl ist kein Platz.

Paranza – Der Clan der Kinder
Italien 2019 – Filmdrama nach dem Bestseller von Roberto Saviano
Regie: Claudio Giovannesi
112 Minuten, FSK 16

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