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Frühkritik | Beitrag vom 13.08.2015

Neu im Kino: Komödie "Dating Queen"Lieber vulgär als romantisch

Von Patrick Wellinski

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Amy Schumer als ihr Alter Ego Amy - eng umschlungen im Bett mit dem Soprtarzt Aaron (Bill Hader) - in der US-amerikanischen Filmkomödie "Dating Queen".  (picture alliance / dpa / Universal Pictures)
Amy Schumer als ihr Alter Ego Amy - eng umschlungen im Bett mit dem Soprtarzt Aaron (Bill Hader) - in der US-amerikanischen Filmkomödie "Dating Queen". (picture alliance / dpa / Universal Pictures)

Amy Schumer ist die derzeit bekannteste Komikerin der USA. Ihr vulgärer Humor ist jetzt auch im Film "Dating Queen" zu bewundern, der sich um das Liebes- und Sex-Chaos von Amys Alter Ego dreht. Die Gelegenheit, den genialen Comedy-Star auch hierzulande zu entdecken.

Amy ist ein Wrack. Sie ist Anfang 30. Sie säuft wie zehn Kerle und schleppt in der Woche ebenso viele ab. Natürlich bleiben alle nur für eine Nacht (wenn überhaupt so lange). Amy schreibt für ein fieses Hochglanz-Boulevard Magazin und hat eine noch fiesere Chefredakteurin (Tilda Swinton). Als ausgewiesene Sporthasserin bekommt sie den Auftrag, eine Reportage über den bekanntesten Sportarzt New Yorks (Bill Hader) zu schreiben. Es kommt wie es kommen muss: Er verliebt sich in sie und es beginnt Amys langer und zögerlicher Weg, sich von ihrem bisherigen wechselhaften und unsteten Leben zu verabschieden.

Dies ist die Zusammenfassung jeder x-beliebigen romantischen Komödie. "Dating Queen" hat nie die Absicht mit den Regeln des Genres zu brechen. Aber der Film möchte gewisse festgefahrene Formeln umdeuten. Das dies hervorragend gelingt, liegt vor allem an Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Amy Schumer. Schumer ist gerade die bekannteste Komikerin in den Vereinigten Staaten.

Sachte überzeichnete Alltäglichkeit

Sie begann als Stand-Up-Comedian mit einem unglaublich harten, vulgären Humor, der selbst die eingefleischtesten Fans häufig erröten lies. Mittlerweile gilt sie als Vorreiterin eines neuen weiblichen Körperbildes und eines selbstbewussten Feminismus. Und natürlich transportiert sie vieles aus ihren bisherigen Nummern in das Drehbuch von "Dating Queen". Die erste Hälfte des Films bricht sehr locker und fast beiläufig mit den Klischees von "der Widerspenstigen Zähmung", auf der alle romantischen Komödien – meist mit einer männlichen Hauptfigur – basieren.

Amys Rollen-Alter-Ego ist niemals ladylike, nutzt Männer wie Objekte und ist dennoch ziemlich im Leben verankert. Dass dies nicht ewig so weitergehen kann, dass sie sich verlieben muss und ihren Lebensstil im Laufe des Films aufgibt – ist weniger ein Ergebnis der männlich dominierten Gesellschaft und viel mehr ein Resultat des Genres. Regisseur Judd Apatow (der Mann, der in den letzten Jahren die Mainstreamkomödie sachte von innen heraus erneuerte) weiß das nur zu gut.

Wichtig ist, dass die emotionalen Beweggründe der Figuren nachvollziehbar und geerdet bleiben. Dass die Gefühle nicht zu grell, nicht zu laut werden. In dieser nur sachte überzeichneten Alltäglichkeit liegt die Eleganz von "Dating Queen". Und natürlich in der Tatsache, dass die geniale Amy Schumer nun auch einem viel größeren Publikum außerhalb der Vereinigten Staaten bekannten werden dürfte.

Dating Queen (OT: Trainwreck)
RomCom USA 2015, 125 Minuten
Regie: Judd Apatow
mit: Amy Schumer, Bill Hader, Tilda Swinton, LeBron James, u.a.

Filmhomepage von "Dating Queen"

 

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