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Frühkritik | Beitrag vom 13.10.2016

Neu im Kino: "Inferno"Hektisches Gerenne vor opulenter Kulisse

Von Hans-Ulrich Pönack

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US-Schauspieler Tom Hanks bei der Europapremiere von "Inferno" in Berlin. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
US-Schauspieler Tom Hanks bei der Europapremiere von "Inferno" in Berlin. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Neues Futter für Verschwörungstheoretiker: Im dritten Teil der Langdon-Saga muss der "Symbologie"-Professor die Menschheit vor einem durchgeknallten Milliardär und einer schlimmen Seuche retten. Tom Hanks bemüht sich vergebens, Spannung zu erzeugen.

Harvard-Professor Robert Langdon, der Spezialist für Kunstgeschichte und religiöse Symbolik, ist so etwas wie der intellektuelle Indiana Jones. Zweimal schon war Tom Hanks in der Rolle als erfolgreiche Spürnase in Sachen historische Kriminalistik und Verschwörungstheorien unterwegs, nun das dritte Abenteuer nach "The Da Vinci Code - Sakrileg" (2006) und "Illuminati" (2009), alle basierend auf den Romanen von Dan Brown.

Diesmal wacht der rührige Professor in einem Krankenhaus in Florenz auf – und kann sich an die Ereignisse der letzten Tage kaum erinnern. Zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) versucht er zu ergründen, was eigentlich passiert und was überhaupt los ist. Denn Verfolger haben es auf Langdon abgesehen. Beide müssen fliehen.

Kulturstätten als Acessoire

Ein Milliardär und Bio-Chemiker will für die Hölle auf Erden sorgen. Und damit das auch "stimmig" wird, mit Motiven frei nach Teil 1 von Dantes "Göttlicher Komödie", einem literarischen Klassiker aus dem 14. Jahrhundert. Dort finden sich ja viele Verweise auf irdische Missstände.

Hier geht es um die zu erwartende katastrophale Überbevölkerung auf der Erde. Der besessene Utopist beabsichtigt, die Hälfte der Menschheit mit Hilfe einer Seuche umzubringen. Für Langdon und Brooks geht es nun darum, seinen Spuren zu folgen und rechtzeitig Schlimmes zu verhüten. Dabei kommen klassische Kulturstädte wie Rom, Florenz, Venedig und schließlich Istanbul attraktiv ins Bild.

Der zweifache "Oscar"-Preisträger Hanks ("Forrest Gump", "Philadelphia") müht sich diesmal vergebens, nochmal als detektivischer Professor spannend zu punkten. Seine hektische Krimi-Action-Show zeigt sich platt.

Man flitzt eifrig von A nach B und C. Schöne Orte wie Kathedralen und Museen werden wie gehabt hochglanz-ästhetisch ausgeleuchtet, während irgendwelche Verfolger ballernd hinter dem Paar herjagen. Zugleich werden irgendwelche bedeutsam klingenden historische Verweise und Aha-Sprüche abgelassen. Alles wie schon zweimal gehabt.

Dieses Fang-den-Virus-Spiel kommt visuell-opulent und bombastisch-tönend daher und versprüht nur dünn-heiße Spannungsluft. Elegant aufgemotzt und arg langweilend.

"Inferno"
USA 2016, Regie: Ron Howard
Mit: Tom Hanks, Felicity Jones u.a.
Länge: 122 Minuten; FSK ab 12

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