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Frühkritik | Beitrag vom 23.09.2021

Neu im Kino: "Helden der Wahrscheinlichkeit“Mathematisch fundierte Selbstjustiz

Von Jörg Taszman

Das Ensemble von "Helden der Wahrscheinlichkeit", darunter Mads Mikkelsen. (Zentropa Entertainments3 ApS & Zentropa Sweden AB)
In "Helden der Wahrscheinlichkeit" geht es vordergründig um Rache, aber eigentlich um nicht bewältigte Trauer. (Zentropa Entertainments3 ApS & Zentropa Sweden AB)

Nachdem seine Frau bei einem U-Bahn-Attentat ums Leben gekommen ist, sinnt ein Soldat auf Rache an rechtsradikalen Bikern. Mit dabei: ein Mathematiker und ein Hacker. Die Tragikomödie "Helden der Wahrscheinlichkeit" ist ein gelungener Ensemblefilm.

Um was geht es?

Nach einem Bombenattentat in der U-Bahn, bei dem seine Frau stirbt und seine Tochter überlebt hat, kehrt der Berufssoldat Markus (Mads Mikkelsen) zurück nach Dänemark und muss sich plötzlich um seine fast erwachsene Tochter Mathilde kümmern.

Er spült seine Trauer mit Alkohol herunter, bis plötzlich drei seltsame Männer vor seiner Tür stehen: Otto (Nikolaj Lie Kaas), ein hypernervöser Mathematiker, saß selber in der Unglücksmetro und fühlt sich schuldig, weil er der verstorbenen Frau seinen Platz angeboten hatte.

Sein Kumpel Lennart berechnet Wahrscheinlichkeiten und behauptet, die Attentäter ließen sich schnell herausfinden. Dabei soll auch der übergewichtige und hochsensible Hacker Emmenthaler helfen. Markus will Rache und scheut sich auch nicht davor, schwer bewaffnete, rechtsradikale Biker anzugreifen, die Lennart als Drahtzieher des Anschlags ausgemacht hat.

Was ist das Besondere?

Gekonnt laviert Regisseur Anders Thomas Jensen zwischen Tragik, schwarzem Humor und jeder Menge politischer Unkorrektheit. Er erzählt von einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung, bei der die Tochter trotz aller Sehnsucht nach einer Vaterfigur die Reifere ist und setzt mitunter auf deftige, durchgeknallte Action. Dabei nimmt der Filmemacher bei aller Überdrehtheit seine vier Männerfiguren ernst, die er zunehmend auch komplexer und verletzlicher entwickelt.

Bewertung

Der Ensemblefilm funktioniert vor allem wegen seiner eingespielten, hervorragenden Charakterdarsteller und setzt auf Dialogwitz und tragikomische, teils absurde Situationen. Trotz des hohen Unterhaltungswerts ein mitunter auch melancholischer Film über Trauer und Verlust, der mehr Tiefgang beweist, als man zunächst vermutet. Gerade auch als gelungener Genremix überzeugend.

"Helden der Wahrscheinlichkeit"
Dänemark 2020
Regie: Anders Thomas Jensen
mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Andrea Heick Gadeberg
Länge: 116 Minuten

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