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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.08.2015

Neu im Kino: "Fahrstunden fürs Leben"Wenn zwei Welten aufeinandertreffen

Von Hans-Ulrich Pönack

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Die spanische Regisseurin Isabel Coixet (dpa / picture alliance / Claudio Onorati)
Die spanische Regisseurin Isabel Coixet: Ihr Film "Fahrstunden fürs Leben" hat Charme und Humor. (dpa / picture alliance / Claudio Onorati)

Nur nicht aufgeben: Als die New Yorker Literaturkritikerin Wendy von ihrem Mann verlassen wird, macht sie erst einmal den Führerschein. Was sich daraus entwickelt, hat die Regisseurin Isabel Coixet äußerst charmant mit "Fahrstunden fürs Leben" auf die Kinoleinwand gebracht.

Der diesjährige Berlinale-Eröffnungsfilm der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet, "Nobody Wants the Night", war fade. Besser wäre es gewesen, diesen Film zu zeigen, denn hat Charme und Humor. Schönes "anderes Kino", hervorragend dargeboten: Ein exzellenter Schauspieler-Film!

Die New Yorker Literaturkritikerin Wendy Shields fällt aus heiterem Lebenshimmel, als ihr Mann beschließt, sich nach 21 Jahren Ehe –natürlich wegen einer jüngeren Frau von ihr zu trennen. Zunächst ist Wendy wütend, dann nur noch sauer, dann traurig. Doch aufgeben ist nicht ihre Sache. Morgen muss es weitergehen. Zum Beispiel mit einem Besuch bei ihrer Tochter in Vermont. Deshalb will sie auch endlich ihren Führerschein machen. Und landet beim indischen New Yorker Darwan Singh Tur. Der fährt nachts Taxi und ist tagsüber als Fahrlehrer unterwegs. Ja, ja, es kommt, was Sie ahnen.

Lebensmodelle aus unterschiedlichen Welten

Obwohl die Lebenswege dieser beiden Menschen kaum unterschiedlicher sein können, beginnen sensible, lebenskluge Gespräche, die sich immer mehr vertiefen. Die impulsive, "solche" Eigenständigkeit nicht gewohnte, ständig nervöse Wendy und der besonnene, stocksteif-ernste, sanftmütige Inder reden über Lebensmodelle. Er steht kurz vor seiner arrangierten Eheschließung, sie lebt jetzt allein. Wir können der Begegnung dieser beiden Menschen aus hochinteressanter Welten viel abgewinnen.

Natürlich ist das nicht neu. Natürlich ist das vergleichsweise unaufgeregtes Kino. Doch keineswegs nur für die "Ü50"-Generation, ganz im Gegenteil: Du kannst dich an jedem Tag deines Lebens neu erfinden und dein Leben ändern - das gilt universell. Und Spaß macht es, den beiden Hauptdarstellern bei dieser Lebensbegegnung zuzusehen. Hier Patricia Clarkson ("The Green Mile"/ "Die kranke Frau des Gefängnis-Direktors; "Station Agent"; "Shutter Island"), die gerade mit komplexen, widersprüchlichen Figuren formidabel umzugehen weiß, ist als gebeutelte Wendy "in den besten Jahren" von großartigem charakter-tiefem Charme. Keine unnötige Übertreibung, keine Larmoyanz, dafür viel Seele. Und Oscar-Star Sir Ben Kingsley (unser ewig "Gandhi") hält auf der anderen Seite unaufgeregt klug mit als versöhnlicher Humanist.
"Learning to Drive" mit Patricia Clarkson und Ben Kingsley: Zuzusehen und zuzuhören macht einfach Spaß.

"Fahrstunden fürs Leben" / "Learning to Drive"
USA 2014 – Regie: Isabel Coixet, Darsteller: Patricia Clarkson, Ben Kingsley, Jake Weber, Grace Gummer – 90 Minuten
Filmhomepage

Mehr zum Thema:

Regisseurin Isabel Coixet - "Das Einzige, was ich tun kann, ist Filme machen"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 05.02.2015)

Einsame Seelen in der Metropole
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 03.08.2010)

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