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Frühkritik | Beitrag vom 18.06.2015

Neu im Kino: "Die Lügen der Sieger"Die vierte Macht kühl seziert

Von Hannelore Heider

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Florian David Fitz als Journalist Fabian Groys in einer Szene des Kinofilms "Die Lügen der Sieger" von Robert Hochhäusler (picture-alliance / dpa / Heimatfilm GmbH&Co.KG / NFP)
Florian David Fitz als Journalist Fabian Groys in einer Szene des Kinofilms "Die Lügen der Sieger" von Robert Hochhäusler (picture-alliance / dpa / Heimatfilm GmbH&Co.KG / NFP)

Unsympathisch, aber von Florian David Fitz perfekt gespielt, ist der Journalist in der Hauptrolle des - mäßig spannenden - Politthrillers von Regisseur Christoph Hochhäusler "Die Lügen der Sieger".

Christoph Hochhäusler kommt nach "Unter dir die Stadt" wieder mit einem modernen Polithriller in die Kinos. Im Zentrum stehen zwei Journalisten in der Berlin-Redaktion des Politmagazins "Die Woche". Fabian Groys (Florian David Fitz), der erfolgsverwöhnte investigative Starjournalist und seine noch völlig unerfahrene Volontärin Nadja (Lilith Stangenberg) agieren im typischen Hochhäusler-Großstadt-Kosmos aus Beton und Glas, dessen Spiegelungen perfekt die Entfremdungen und Verunsicherungen des Menschen in der modernen Welt visualisieren.  

Diesmal ist es die Welt der vierten Macht, die der Medien. Hochhäusler seziert sie kühl und gründlich an einem Fall, dem man eigentlich dem Boulevardgenre zuordnen würde. Enthüllt wird dabei, dass die angeblich unabhängige vierte Macht im Staate abhängig und manipulierbar ist. Objektiv, weil sie im Zeiten modernster Überwachungstechnik agiert, und subjektiv, weil ihre Helden längst nicht mehr die leidenschaftlich um die Wahrheit kämpfenden Robert Redfords und Dustin Hoffmans sind.

Cooles Selbstbild

Florian David Fitz spielt einen egozentrischen Erfolgsmenschen. Nun aber hat er sich an einem Fall festgebissen hat, bei dem er nicht weiter kommt. Da wird ihm eine junge Volontärin an die Seite gestellt – und um sie loszuwerden, schickt er sie in die Provinz, wo ein Mann im Gelsenkirchener Zoo in einen Löwenkäfig gefallen ist. Zu Fabians coolem Selbstbild gehört, perfekte Arbeit abzuliefern, auch wenn sich seine privaten Sorgen häufen: ist er doch regelmäßig Gast in illegalen Spielsalons. Nadja hingegen widmet sich ihrer ersten Recherche mit Hingabe und findet heraus, dass Fabians Fall, in dem es um die schlechte Behandlung von Bundeswehrveteranen geht, sehr wohl etwas zu tun hat mit dem Ex-Bundeswehrsoldaten, der sich den Löwen zum Fraß vorwarf.

Im Hintergrund ein Giftmüllskandal und die emsige Arbeit von Lobbyisten, diesen zu vertuschen, weil dem Minister und dem Bundestag ein neues, für Militär und Chemieindustrie günstiges Gesetz schmackhaft gemacht werden soll. 

Die Story ist mäßig spannend und hat mit dem von Florian David Fitz perfekt gespielten zwielichtigen Fabian auch keinen sympathischen Helden. Offensichtlich geht es Hochhäusler wieder einmal nicht darum, den Zuschauer emotional zu fesseln. Man kann die Eleganz und Klugheit der Inszenierung anerkennen, alte Sehgewohnheiten und damit die Erwartung auf einen packenden politischen Krimi aber werden nicht bedient.

Die Lügen der Sieger, D/F 2014, Regie: Christoph Hochhäusler
Mit: Florian David Fitz, Horst Kotterba, Lilith Stangenberg, David C. Bunners, Tilo Werner
112 Minuten, ab 12 Jahren

Mehr zum Thema:

Neu im Kino: "Die Lügen der Sieger" - Republik der Lobbyisten
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 15.06.2015)

Regisseur Hochhäusler über "Die Lügen der Sieger" - "Gegenwart ist vor allem Unübersichtlichkeit"
(Deutschlandradio Kultur, Vollbild, 13.06.2015)

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