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Kompressor | Beitrag vom 11.04.2019

Neu im Kino: "Der illegale Film"Der Meta-Film

Jörg Taszman im Gespräch mit Christine Watty

Filmstill aus "The Illegal Film" von Michael Baer und Claus Wischmann (Still: "The Illegal Film"/Michael Baer)
Verpixeltes Motiv auf der Tasse: Viele Fragen zum Recht am Bild. (Still: "The Illegal Film"/Michael Baer)

Der Dokumentarfilm "Der illegale Film" kokettiert damit, illegal zu sein. Die Autoren greifen auf Bildmaterial von Dritten zurück und befeuern die Debatte um das Copyright. Das Werk sei zu kleinteilig, kritisiert unser Rezensent.

Der Dokumentarfilm "Der illegale Film" kokettiert im Titel damit, illegal zu sein. Ob er das wirklich ist, ist fraglich – aber er beschäftigt sich intensiv damit, was legal ist in der Welt der Bilder und was eher nicht. Und das in einer Zeit, in der die Zahl der Fotos, die an einem einzigen Tag gemacht werden, die Zahl der Fotografien des gesamten 20. Jahrhunderts übersteigen soll.  

Das Werk von Michael Baer und Claus Wischmann ist ein Meta-Film, weil er sich im Medium Film mit dem Thema Film beschäftigt, aber nicht nur damit. Noch mehr als um Film im Sinne bewegter Bilder gehe es in "Der illegale Film" nämlich um Fotos, meint Deutschlandfunk Kultur-Filmkritiker Jörg Taszman. "Wie gehen wir mit Fotos um – das wird auch sehr philosophisch hinterfragt."

Große Spannweite an Fragen

Der Film behandele Fragen von großer Spannbreite: "Wem gehört ein Foto – demjenigen, der es aufnimmt, oder dem, der fotografiert wird, oder dem Rechteinhaber, der das dann vermarktet?" Aber auch Fragen zum Charakter von Fotografie würden angerissen, so Taszman: "Ist ein Foto Kunst, ist es nur ein Abbild, stellt es die Realität dar oder reduziert es die Realität?" 

In ihrer Beschäftigung mit dem Medium greifen die Autoren auch auf viel Bildmaterial von Dritten zurück. Gespräche mit Bildexperten inklusive Susan Sontag, Videos, Werbeclips. Auf einer weiteren Ebene wird ein Kodak-Werbeclip eingebaut: "Remember to Remember" – ein Spot aus den 70er- oder 80-Jahren, in dem es noch um Fotopapier geht, als ein Film entwickelt werden musste und dann auf Fotopapier abgezogen wurde.

Kleinteilig und sehr, sehr viele Fragen

Für seinen Geschmack sei "Der illegale Film" etwas zu kleinteilig, sagt Taszman: Man werde bombardiert mit Infos, von denen manches hängebleibe – zum Beispiel, dass es 45 Milliarden Kameras gebe. Zu "Der illegale Film" als Gesamtwerk sagt der Kritiker: "Ich finde, dass er in erster Linie sehr, sehr viele Fragen stellt". Es seien aus seiner Sicht vielleicht zu viele, die nur angerissen würden: "Man ist so ein bisschen überwältigt von dieser Flut an Infos."

Bei der Debatte um das Copyright von Filmen etwa, die Baer und Wischmann am Beispiel des Disney-Konzerns abhandelten, hätte er sich mehr Vertiefung gewünscht, sagt Taszman. Disney werde im Film als der Konzern gezeichnet, der Urheberrechtsverletzungen am strengsten verfolge. Andererseits gebe es aber ein Zitierrecht, dessen Auslegung bei Juristen weit auseinander gehe. Zu diesem Spannungsverhältnis hätte er selber gern mehr gehört.

Filmstill aus "The Illegal Film" von Michael Baer und Claus Wischmann (Still: The Illegal Film/Martin Baer)Filmstill aus "The Illegal Film": Datenerfassung. (Still: The Illegal Film/Martin Baer)

Taszman war andererseits beeindruckt davon, wie allgegenwärtig inzwischen bildliche Überwachung sei. "Überwall wird man ja heute überwacht, man nimmt es schon gar nicht mehr war." Sogar manch eigener Fernseher, Smart-TV-Geräte, so höre man, könnten einen ausspionieren, wenn man nicht aufpasse.  

Verdeutlichen durch Unkenntlichmachung

Obwohl "Der illegale Film" Bildmaterial aus unglaublich vielen Quellen verwendet, ist er wohl nicht illegal. "Es gibt einen endlosen Abspann, wo jeder einzelne Schnipsel dann auch zitiert wird", sagt Taszman. Und wenn im Film gezeigt wird, wie Baers Töchter Disneys "Dschungelbuch" schauen, werden die Bilder aus dem Disney-Film im Film von Baer und Wischmann unkenntlich gemacht.

(mfu)

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