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Frühkritik | Beitrag vom 13.02.2020

Neu im Kino: "Bombshell"Ein packender und wichtiger Film

Von Jörg Taszman

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Szene Nicole Kidman als Gretchen Carlson in "Bombshell": Sie steht mit sehr blonden Haaren in einem pinken Kostüm vor einem Kino, um sie herum Menschen. Sie hält sich ein Smartphone ans Ohr und hält mit der anderen Hand eine prall gefüllte große Handtasche. (Wild Bunch Germany)
Gretchen Carlson (Nicole Kidman) zieht in den Kampf gegen Roger Ailes. (Wild Bunch Germany)

Stramm rechts und gnadenlos sexistisch: So ist Fox News zum Sprachrohr des erzkonservativen Amerika geworden. Der Film "Bombshell" macht den TV-Sender zum Schauplatz des Missbrauchs an drei Moderatorinnen, deren Perspektive er konsequent einnimmt.

Wie mächtig und perfide der quotenstärkste amerikanische Nachrichtensender Fox News ist, kann man in Europa kaum verfolgen, wo man nur CNN oder MSNBC kennt. Als der stramm rechte Journalist Roger Ailes ganz bewusst Fox News als Propagandainstrument für das weiße und erzkonservative Amerika aufbaute, setzte er neben Demagogie, Verunglimpfung der politischen Gegner und Fake News vor allem auf hübsche Blondinen-Moderatorinnen in kurzen Kleidern, die an durchsichtigen Glastischen sitzend, viel Bein zeigen sollten.

Klage gegen den allmächtigen Boss

Im Mittelpunkt des Film "Bombshell – Das Ende des Schweigens" stehen die beiden Starmoderatorinnen Gretchen Carlsson (Nicole Kidman) und Megan Kelly (Charlize Theron) sowie der Neuzugang der fiktiven Idealistin und konservativen Christin Kayla Pospisil (Margot Robbie). Gretchen wird von Roger Ailes zunehmend verbal beleidigt und belästigt und in die Nachmittagsschiene abgeschoben, aber die Verletzungen sitzen tief. Sie wagt es, gegen den allmächtigen Fox-News Boss zu klagen.

Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie in einer Filmszene aus dem Film "Bombshell" von Jay Roach. Alle drei stehen mit dem Rücken zur Wand nebeneinander und gucken in die Kamera. (imago images / Cinema Publishers Collection/ Hilary B. Gayle)Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie in "Bombshell" von Jay Roach. (imago images / Cinema Publishers Collection/ Hilary B. Gayle)

Megan, die es wagte Donald Trump vor seiner Wahl zum US-Präsidenten kritische Fragen im Bezug auf seine Frauenfeindlichkeit zu stellen, wird von Trump mit Tweets derartig in den Schmutz gezogen, dass auch ihr konservatives Weltbild wankt. Und Kayla muss bei einem Vorstellungsgespräch für "höhere Aufgaben" im Sender solange ihr kurzes Kleid hochziehen, bis der übergewichtige und notgeile Ailes ihr Höschen sieht: eine beklemmende und tief verstörende Szene, weil Kayla zunächst ungläubig, dann immer verzweifelter und voller Scham reagiert.

Einsame, sexuell belästigte und missbrauchte Frauen

"Bombshell" ist immer dann ein packender und wichtiger Film, wenn er sich die Zeit nimmt, aus der Sicht der Frauen zu erzählen, denen es langsam dämmert, dass sie sich wehren müssen, auch wenn mit Solidarität anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum zu rechnen ist. Und genau darin liegt die Stärke des Films, der eben aufzeigt, wie einsam es um sexuell belästigte und missbrauchte Frauen oft steht, wie sie eher mit sich selber hadern, als mit ihren Peinigern. 

Exzellent gespielt von den drei Frontfrauen, passt dieser Film in das neue politisch-korrekte Bewusstsein Hollywoods und erzählt sehr viel konsequenter aus der Perspektive der Frauen als die Miniserie "The Loudest Voice", in der Russel Crowe Roger Ailes verkörperte. Dafür war die Serie aber auch politischer und legte die schon fast kriminellen Energien bloß, mit denen Fox News gegen das ihrer Meinung nach liberale Amerika kämpft und nicht von ungefähr zum Sprachrohr des Demagogen Donald Trump mutierte. Und so ist "Bombshell" durchaus aufrüttelnd, sehenswert und ein guter Film, kommt aber nicht an einen modernen Klassiker – wie zum Beispiel "Erin Brockovich" - des amerikanischen aufklärerischen und politisch engagierten Kinos heran.

Bombshell - Das Ende des Schweigens 
USA 2019
Regie: Jay Roach
Mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie

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