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Frühkritik | Beitrag vom 29.01.2015

Neu im Kino: "Birdman"Selbstfindung auf der Broadway-Bühne

Von Hannelore Heider

US-Schauspieler Michael Keaton mit seinem Golden Globe für die Beste männliche Hauptrolle, den er für seinen Auftritt in "Birdman" erhielt. (AFP / Frederic J. Brown)
US-Schauspieler Michael Keaton mit seinem Golden Globe für die Beste männliche Hauptrolle, den er für seinen Auftritt in "Birdman" erhielt. (AFP / Frederic J. Brown)

Zwei Golden Globes und neun Oscarnominierungen: "Birdman" von Alejandro Gonzalez Inárritu kommt mit viel Vorschusslorbeeren in die deutschen Kinos. Gnadenlos beleuchtet er am Beispiel des ehemaligen Superhelden-Darstellers Riggan Thomson die Verschrobenheiten des Unterhaltungsbetriebs.

Mit zwei gewonnenen Golden Globes und neun Oscarnominierungen startet der Film in den deutschen Kinos und er erfüllt wirklich alle Erwartungen. Der für die Beste Männliche Hauptrolle nominierte Michael Keaton spielt Riggan Thomson, einen ehemaligen Hollywoodstar, dessen Ruhm mit der mehrfachen Verkörperung einer Art Superheldenfigur, genannt "Birdman", den Höhepunkt erreicht hatte. Seitdem geht es mit seiner Popularität und Selbstachtung abwärts.

Der Mann will nicht mit einer gefiederten Vogelfigur in Erinnerung bleiben, die ihn als innere Stimme immer noch verfolgt, sondern mit einer echten Kunstleistung. Am Broadway will er - mit sich in einer der Hauptrollen - ein ambitioniertes Theaterstück inszenieren, doch dafür fehlt sowohl das Geld als auch die potenten Mitspieler. So engagiert er als Assistentin seine gerade aus dem Entzug entlassene Tochter Sam (Emma Stone) und verpfändet sein Haus in Malibu.

Als ihm der Zufall zu Hilfe kommt und die zweite männliche Hauptrolle mit einem für seine Exzentrik bekannten, aber angesagten Schauspieler (Edward Norton) besetzt werden kann, scheint das Projekt zu gelingen.

In fünf Akten wie bei einem Theaterstück inszeniert Regisseur Alejandro Gonzalez Inárritu jetzt seine dramatische Komödie, die ihren Helden aufs Höchste fordert. Nicht nur, dass die innere Stimme ihm ständig die Vergeblichkeit seines Tuns vor Augen führt, seine eigene Tochter glaubt so wenig an den Erfolg des Projektes wie seine Ex-Ehefrau.

Die mitspielenden Damen des Ensembles haben ihre eigenen Sorgen, die eine als Geliebte des Regisseurs (Andrea Riseborough), die andere (Naomi Watts) als Schauspielerin, für die der Misserfolg des Theaterstückes auch das Ende ihrer Karriere bedeutete. Dass das Stück durchfällt, hat die gefürchtetste Kritikerin der wichtigsten Metropolenzeitung bereits gnadenlos angekündigt.

Mit diesem Cast und dieser Story beleuchtet Inarritu vielfältige Facetten des Unterhaltungsbetriebes mit gnadenlosem Blick. Der Broadway ist zur Spielwiese ehrgeiziger Megastars verkommen, auf den engen Fluren des kleinen Theaters werden Egos gehetzt und verheizt.

Dafür werden die einzelnen Akte von Kameramann Emmanuel Lubezki scheinbar ohne Schnitt ("One Shot") in rasantem Tempo und doch aus unterschiedlicher Personenperpektive gefilmt, was auch den Zuschauer ständig in Atem hält.

Ein genialer Einfall und zusammen mit den wunderbaren Darstellern ein wirklich einzigartiges Kinoerlebnis!

Filmhomepage "Birdman"

"Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit"
USA, Frankreich 2014
Regie & Drehbuch: Alejandro Gonzalez Inárritu
Darsteller: Michael Keaton, Emma Stone, Edward Norton, Naomi Watts, Zach Galifianakis, Andrea Riseborough
Länge: 120 Minuten, FSK: ab 12 Jahren
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