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Frühkritik | Beitrag vom 10.03.2016

Neu im Kino: "Babai"Berührende Vater-Sohn-Geschichte

Von Jörg Taszman

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Der Regisseur Visar Morina mit dem jugendlichen Schauspieler Val Maloku beim Internationalen Filmfestival in Marrakesch. (picture alliance / dpa / EPA / ABDELHAK SENNA)
Der Regisseur Visar Morina mit dem jugendlichen Schauspieler Val Maloku beim Internationalen Filmfestival in Marrakesch. (picture alliance / dpa / EPA / ABDELHAK SENNA)

Kosovo, Anfang der 90er-Jahre: Der zehnjährige Nori lebt in einem kleinen Dorf mit seinem Vater zusammen, die Mutter ist abgehauen. Als Nori ins Krankenhaus muss, verschwindet auch der Vater. Wutentbrannt folgt ihm Nori allein nach Deutschland.

Mitten in der sogenannten "Flüchtlingskrise" kommt nun ein kleiner Film, der beweist, wie zeitlos das Thema ist und dass vor allem menschliche Schicksale hinter so plakativen Modebegriffen wie "Wirtschaftsflüchlinge" stehen.

Der zehnjährige Nori lebt mit seinem Vater Gezim in einem Dorf im Kosovo irgendwann in den 90er-Jahren, als es die D-Mark noch gab. Misstrauisch beäugt der sehr anhängliche Sohn seinen Vater. Er fürchtet, er würde auch den Vater verlieren, nachdem die Mutter die Kleinfamilie längst verlassen hat.

Und so leben Vater und Sohn unter beengten Verhältnissen beim Onkel, der ein strenges patriarchalisches Regime führt. Dort haben Kinder zu gehorchen und Väter einfach nur Männer zu sein. Außerhalb des kleinen Orts regieren serbische Soldaten. Bis vor kurzem galt sogar noch eine Ausganssperre.

Der Junge will den Vater aufhalten

Gezim will weg, nach Deutschland und dort sein Glück versuchen. Nori versucht, dies mit aller Kraft zu verhindern. Als Gezim dann eines Morgens fort ist, versucht der Junge ihm nach Deutschland zu folgen ...

Auch wenn dieser etwas zu typische Arthouse-Film weder formal noch inhaltlich zu überraschen vermag, so steht doch die berührende Vater-Sohn Geschichte eher im Vordergrund als die Exil- oder Flüchtlingsproblematik.

Und hier kommt das natürliche und intensive Spiel des Nori-Darstellers Val Maloku positiv zum Tragen, aber generell sind alle Schauspieler überzeugend. Und so bleibt man als Zuschauer bei den Figuren, nimmt an ihrem Schicksal teil.

Ein kleiner sehenswerter Film, der allerdings so unspektakulär daher kommt, dass er in Zeiten von Filmschwemme und allgemeinem Desinteresse an Filmen zur Migrantenproblematik viel zu wenig auf sich aufmerksam machen wird.

Babai
MAZ/D/FRA 2015
Regie: Visar Morina
Mit Val Maloku, Astrit Kabashi, Adriana Matoshi
107 Minuten

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Regisseur Visar Morina über "Babai" - Fluchtgeschichte ohne Betroffenheitskitsch
(Deutschlandradio Kultur, Vollbild, 05.03.2016)

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