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Frühkritik | Beitrag vom 24.12.2020

Neu im Heimkino: "Soul"Seelenreise ins Davorseits

Von Jörg Taszman

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Filmszene aus "Soul": Zwei Figuren stehen vor einer animierten Wand, auf der etwas geschrieben steht. (Picture Alliance / dpa / Disney+ / Courtesy Everett Collection)
Zurück auf die Erde: In Pixars "Soul" versucht der ins Davorseits beförderte Joe, Seele "22" das irdische Leben schmackhaft zu machen. (Picture Alliance / dpa / Disney+ / Courtesy Everett Collection)

Im neuen Pixar-Film werden existenzielle Fragen gestellt. Dadurch ist er nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant. "Soul" ist ein origineller und anspruchsvoller Weihnachtsfilm, der die Fantasie anregt.

Um was geht es?

Joe ist Afroamerikaner in New York und ein verhinderter Jazzmusiker. Er arbeitet an einer Musikschule als Lehrer und betreut dort die Schulband. Völlig unerwartet bekommt er einen Job in der Band der berühmten Sängerin Dorothea Williams angeboten.

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Außer sich vor Freude übersieht er einen Kanaldeckel und wacht in einer nicht mehr irdischen Welt auf: dem "Davorseits". Für die einen wie Joe die letzte Stufe vor dem Jenseits, für andere wie die runde kleine Kinderseele "22" die letzte Stufe vor der Ankunft auf der Erde.

Aber "22" will kein Erdenbewohner werden und hat bisher schon alle berühmten Tutoren wie unter anderem Abraham Lincoln wahnsinnig gemacht. Jo’s letzte Chance, zurück auf die Erde zu gelangen, besteht darin, "22" die Vorteile irdischen Erdenlebens nahezubringen.

Was ist das Besondere?

"Soul" spielt nicht nur inhaltlich auf zwei Welten, sondern auch formal. Während New York in fast fotorealistischen, warmen Farbtönen animiert wird, gerät das "Davorseits" avantgardistischer, deutlich verknappter und reduzierter. Die Aufpasser sind skizzenhafte, kantige Strichfiguren mit eckigen Köpfen, die an den Kubismus erinnern. Die kinderförmigen runden Seelen mit den großen Augen sind wie blau-weiß-flauschige Tennisbälle in 2D. Obwohl der Film für alle Altersklassen freigegeben wurde, reiht er sich vor allem thematisch durch existenzielle Fragen nach Seele(n) dem Leben auf der Erde und dem Davorseits und Jenseits eher in die Kategorie der "erwachseneren" Pixar-Filme wie "Oben" ein.

Bewertung

Nach "Onward", dem enttäuschenden Pixar-Film aus dem Frühjahr, wieder ein großer Wurf von Pete Docter, dem Regisseur von "Monster AG" und "Oben". Sehr anspruchsvoll, voller Verspieltheit und Fantasie schafft er komplexe Denk- und Lebenswelten und wird nach einem sehr nüchternen Beginn zunehmend komplexer, humorvoller und wärmer, ohne zu menscheln. Ein origineller und anspruchsvoller Weihnachtsfilm, der leider nicht in die Kinos gekommen ist.

Soul
USA 2020
Regie: Pete Docter
100 Min, FSK 0
zu sehen auf Disney+

Gegenrede

Weniger begeistert als Jörg Taszman zeigte sich die Schriftstellerin und Journalistin Jenni Zylka von "Soul". Der Film habe trotz allem "animierten Zinnober" keine originäre und keine wirklich originelle Geschichte, sagte Zylka in unserer Sendung "Kompressor". Er sei überladen und wirke fast wie zwei Filme in einem. "Trotz vieler positiver Aspekte würde ich empfehlen, wenn man Weihnachten Zeit zum gemeinsamen Film gucken hat, lieber noch mal 'Toy Story' 1 oder 3 oder 'Alles steht Kopf' anzuschauen. Denn 'Soul' ist toll gemacht – was ihm aber fehlt, ist der dramaturgische Soul."

Hören Sie das Gespräch mit Jenni Zylka hier:

Kompressor

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