Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Montag, 25.01.2021
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Frühkritik | Beitrag vom 07.01.2021

Neu im Heimkino: "Pieces of a Woman"Trauer um das verlorene Kind

Von Anke Leweke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Vanessa Kirby und Shia LaBeouf in Kornél Mundruczós "Pieces of a Woman". (BRON Releasing)
Ein Film mit einer überraschenden Kraft: Vanessa Kirby und Shia LaBeouf in "Pieces of a Woman". (BRON Releasing)

Marthas Baby stirbt bei der Geburt. Der Film "Pieces of a Woman" zeigt sie in all ihrem Leid, aber auch in ihrer Kraft. Martha findet ihren eigenen Weg aus dem Trauma.

Um was geht es?

Gerade erst haben wir die hochschwangere Martha und ihren Lebensgefährten Sean kennengelernt. Das junge Paar lebt in einer gemütlichen Wohnung in einem ruhigen Bostoner Stadtviertel. Schon sehen wir aus nächster Nähe die Geburt ihres ersten Kindes. Es kommt zu Komplikationen, der Krankenwagen wird gerufen.

Erst jetzt wird der Titel "Pieces of a Woman" eingeblendet. Tatsächlich muss sich hier eine junge Frau neu zusammensetzen. Die Kamera schaut Martha dabei zu, wie sie versucht, den Tod ihres neugeborenen Kindes zu verarbeiten.

Was ist das Besondere?

Diesem Film gelingt die Quadratur des Kreises: Trotz des tragischen Themas entwickelt er eine überraschende und auch schöne Kraft. Denn seine Heldin versucht, ihren ureigenen Weg durch das Trauma zu finden.

Von den vorgefertigten Konzepten, die ihr angeboten werden, fühlt sich Martha in ihrer Trauer nicht gemeint. Von der Organisationswut ihrer Mutter (gespielt von der großartigen New Hollywood-Legende Ellen Burstyn) fühlt sie sich überfordert. Von den eigenen Schmerzen überwältigt, übersieht Sean (Shia LaBeouf) Marthas Zustand.

Vanessa Kirby, die im vergangenen September auf den Filmfestspielen in Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, entwickelt als Martha eine durchlässige Präsenz. Trotz ihres verschlossenen Gesichts und ihres eher verhaltenen Spiels erahnt man den Verlust, den sie erlitten hat.

Bewertung:

Es ist Kornél Mundruczós erste englischsprachige Produktion, geschrieben hat der 46 Jahre alte ungarische Kino- und Theaterregisseur das auf eigenen Erfahrungen beruhende Drehbuch gemeinsam mit seiner Partnerin Katá Wéber. Zuvor hatten die beiden das Thema bereits für die Bühne aufgearbeitet.

Sie geben ihrer Heldin den Raum und die Zeit, sich erst einmal dem eigenen Schmerz bewusst zu werden. Weder bedrängt die Kamera Martha mit Nahaufnahmen, noch geht sie auf Distanz. Sie ist einfach da, als permanente Begleiterin.

"Pieces of a woman"
USA, Kanada, Ungarn 2020
Regie: Kornél Mundruczó
Mit: Vanessa Kirby, Shia LaBeouf, Ellen Burstyn u.a.
Länge: 126 Minuten

Mehr zum Thema

77. Filmfestspiele Venedig - Goldener Löwe für "Nomadland" von Chloé Zhao
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 12.09.2020)

Filmfestspiele Venedig - Starke Frauen, verunsicherte Branche
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 06.09.2020)

Neu im Kino: "Body" - Auf der Suche nach Nähe
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 28.10.2015)

Kompressor

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur