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Frühkritik | Beitrag vom 12.11.2020

Neu auf Netflix: "Du hast das Leben vor dir" Freundschaft ohne Altersgrenzen

Von Anke Leweke

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Die Darsteller Ibrahima Gueye und Sophia Loren auf der Straße (Netflix/Regine De Lazzaris aka Greta)
Ein ungleiches Paar: Momo (Ibrahim Gaye) und Madame Rosa (Sophia Loren). (Netflix/Regine De Lazzaris aka Greta)

Ein Junge aus dem Senegal trifft auf eine ehemalige Prostituierte und Holocaust-Überlebende. Regisseur Edoardo Ponti verbindet seine Themen auf naive und altmodische Weise. Trotzdem ist sein Film "Du hast das Leben vor dir" glaubhaft.

Um was geht es?

Der zwölfjährige Momo (Ibrahim Gaye) kommt aus dem Senegal und wird von einem Arzt bei der ehemaligen Prostituierten Madame Rosa (Sophia Loren) untergebracht. Bei der resoluten Frau leben noch weitere Kinder, die meistens von anderen Prostituierten stammen. Entweder sind die Mütter verschwunden oder sie sind auf Arbeit. Es handelt sich also um eine ziemlich unorthodoxe Wohngemeinschaft. Zunächst tut sich der Junge, der sich sein Geld als Drogendealer verdient, in der neuen Umgebung schwer. Eines Tages entdeckt er, dass Madame Rosa sich eine Art Versteck im Keller eingerichtet hat. Sie ist eine Holocaust-Überlebende und lebt in der Angst, wieder deportiert zu werden.

Was ist das Besondere?

Momo ist wie Madame Rosa ebenfalls traumatisiert. Er hat seine Mutter unter dramatischen Umständen verloren. Auch wenn er sich nicht genau vorstellen kann, was Madame Rosa einst erlebt hat, spürt er hinter ihrer selbstbewussten und resoluten Fassade Angst und Verunsicherung. Sophia Lorens Figur sieht man das Leben an, dass sie gelebt hat. Einerseits ist sie die Frau, die weiß, wie man sich zu behaupten hat. Dann wird sie plötzlich wieder von der Vergangenheit eingeholt, fällt in eine Art Schockstarre. Das Verhältnis zwischen den beiden wird sich umkehren, und der Junge wird die Verantwortung für Madame Rosa übernehmen.

Fazit

Prostitution, die Situation Geflüchteter, Drogenhandel – man kann dem Film und seiner Darstellung der Wirklichkeit durchaus eine gewisse Naivität vorwerfen. Vielleicht will Edoardo Ponti einfach von einer Freundschaft erzählen, in der die kulturelle Herkunft und das Alter kaum mehr eine Rolle spielen. Auch wenn "Du hat das Leben vor Dir" in seiner Machart eher gediegen und ein wenig altmodisch ist, bleiben die Figuren und ihre Schicksale glaubhaft.

"Du hast das Leben vor Dir"
Regie: Edoardo Ponti
Mit: Sophia Loren, Ibrahima Gaye, Babak Karimi, Abril Zamora
Italien 2020, 94 Minuten
Auf Netflix ab dem 13.11.

Kompressor

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