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Breitband | Beitrag vom 13.12.2014

NetzmusikMelancholie und Abfahrt

Die Netzmusik am 13. Dezember 2014

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Die heutige Netzmusik teilt sich deutlich in zwei Hälften. Während in der ersten Bittersüßigkeiten gereicht werden, ist die zweite zumindest auf fröhliches Herumhopsen angelegt.


Da wäre zunächst Jeremy Mullins aus Navarre in Florida, der unter dem leicht irreführenden Namen "Optimist Park" firmiert. Passender zum vorgestellten Stück "hydrodynamics" ist da schon der Titel der zugehörigen "Maelstrom EP" so wie ihr Cover: Fensterscheibe, regennass. Auf der Bandcamp-Seite zur EP lässt Mullins lapidar verlauten: "Es scheint, ich bin am Leben." Ist wohl so eine Art Minimaloptimismus.

Ohne Lyrics kommt die Band I've been Here Before aus der toskanischen Provinz Pistoia aus, in ihrem Song "Jupiter" wird lediglich ein bisschen wolfsähnlich mitgeheult. Gesangslosigkeit ist ja durchaus ein häufiges Merkmal des Post Rock, dem Genre, dem sie selbst ihre Musik zurechnen - glücklicherweise bleibt hier aber übertriebenes Gitarrengegniedel aus, das sonst gern stilbildend dazugenommen wird.

Wenn die Bandfotos nicht trügen, sind die Mitglieder der australischen Band Tree & Ray ziemlich jung, vermutlich noch im Teenageralter. Die Zeitspanne, die sie mit "Till I Die" besingen, während hübsch dazu Orgel und Glockenspiel tönen, wäre dann ja hoffentlich noch erfreulich lang.

Immerhin über 10.000 mal auf Soundcloud angehört wurde das nächste Stück, nämlich "Seaside" von Lyvo, der mittlerweile in Dresden wohnt und erst seit etwa drei Jahren überhaupt Musik macht. Einen gewissen Anteil daran dürfte ein Youtube-Video haben. Ein Entwickler von Microsoft stellt darin eine gerade entwickelte Technologie vor, die verwackelte Handkameraufnahmen zu Hyperlapse-Sequenzen zusammenstickt, dass selbst der langweiligste Stadtspaziergang plötzlich wie eine Fahrt mit Raketenrucksack aussieht. Die Hyperlapsefahrt und die vom französischen Filterhouse beeinflusste Musik passen so gut zusammen, dass viele in den Kommentaren zum Video dann auch folgerichtig fragten: Wie heißt das Lied?

Bei DZZ könnte der visuellen wie akustischen Präsentation nach leicht der Eindruck entstehen, es handele sich um ein japanisches Produkt: Manga-Illustrationen, jungmädchenhafte Stimmsamples, die auf quietschbunte Beats treffen usw., wie zum Beispiel im vorgestellten "Star (feat. Azuria Sky)". Tatsächlich wohnt / lebt der oder die KünstlerIn aber in Stephens City, Virginia.

Ähnlich samplemanisch ist auch das letzte Stück, das vom Kollektiv alaya herausgebraucht wurde: "Safe Return" von (Henri) Feki aus Brisbane, in dem gerade in der zweiten Hälfte sich die Texturen immer weiter übereinanderlegen und schöne Sound-Interferenzen bilden.

Playlist:

Ausgewählt und vorgestellt von Roland Graffé.

Bild: Otto Lang Peckett's 1936 auf Wikipedia Commons von Ericshawwhite unter CC-BY-SA

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