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Interview | Beitrag vom 11.07.2018

Nebelkünstlerin mit Praemium Imperiale ausgezeichnetPreis für Skulptur aus Nebel

Klaus-Dieter Lehmann im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Die Künstlerin Fujiko Nakaya präsentiert ihre Nebelskulptur "London Fog" in London. (imago stock&people)
Die Künstlerin Fujiko Nakaya präsentiert ihre Nebelskulptur "London Fog" in London (imago stock&people)

Er gilt als Nobelpreis der Kunst, nun hat die Bildhauerin Fujiko Nakaya den Praemium-Imperiale-Preis für eine Nebelskulptur erhalten. Sie ist an 80 Orten der Welt zu sehen - mit hohem technischen Aufwand.

Die japanische Bildhauerin Fujiko Nakaya hat den renommierten Praemium-Imperiale-Preis für eine Nebelskulptur erhalten. Sie heißt "London Fog" und war bereits an 80 Orten überall auf der Welt zu sehen. Die französische Filmdiva Catherine Deneuve und der italienische Dirigent Riccardo Muti erhielten den Praemium Imperiale als Auszeichnung für ihr Lebenswerk. Mit dem höchsten japanischen Kunstpreis wurden außerdem der belgische Maler Pierre Alechinsky und der französischen Architekt Christian de Portzamparc ausgezeichnet. Es sei jedes Jahr eine Überraschung, wer zu den Preisträgern zähle, sagt Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts.

"Und dieses Mal fand ich die Möglichkeit, dass man Nebel als Skulptur auszeichnen kann, besonders aufregend. Aber es ist tatsächlich der Fall. Nakaya hat eine Nebel-Skulptur geschaffen, die an 80 Plätzen in der Welt sichtbar ist. Mit großem technischen Aufwand, aber wunderbar gemacht."

"Ich baue, damit Menschen glücklich sind"

Auch den Architekten Christian de Portzamparc lobt Lehmann als ungewöhnlich. Nicht nur weil er fantasievolle und kühne Entwürfe mache, sondern vor allem weil er den Menschen in den Mittelpunkt setzte.

"Er ist jemand, der Stadtentwicklung macht. Das heißt wirklich Ensembles schafft, in denen Menschen sich wohlfühlen. Und er sagt selber, ich baue damit Menschen glücklich. Und das ist bei der derzeitigen Entwicklung von Megastädten, die absolut nur Investorenmodelle sind, ein wirklich entscheidender Punkt, der auch für die Kunst eine große Bedeutung hat."

Der japanische Kunstpreis Praemium Imperiale wird an Künstler mit internationalem Einfluss verliehen.

"Man kann das am Beispiel von Alechinsky sehen, der für Malerei ausgezeichnet ist. Er selbst kommt von der Typografie und hat dann die japanische Kalligrafie entdeckt. Und er ist jemand der westliche Ausprägungen mit japanischen Besonderheiten verknüpft und damit ein neues Gefühl für Kunst entwickelt. Das sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Welt eine Akzeptanz gefunden hat, die deutlich macht, ein interkultureller Dialog ist möglich."

Kultur als Reflektionsraum

In den vergangenen 30 Jahren habe der Kunstpreis noch an Bedeutung gewonnen, erklärt Lehmann.

"Viele merken inzwischen, dass alleine mit wirtschaftlichen Gegebenheiten, nur mit Profit- und Gewinndenken die Gesellschaft nicht zu retten ist, sondern das Kultur schon ein wesentliches Moment ist, um nachzudenken, um innezuhalten, auch um Überraschungen zu erleben und Alternativen zu entdecken."

(mw)

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