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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.02.2017

Navid Kermani und Joschka Fischer Den Dialog gesucht, aber nicht gefunden

Von Stefan Keim

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Der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani (picture alliance / dpa)
Der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani (picture alliance / dpa)

Wir sollten mal wieder richtig miteinander reden. Nicht nur die Gleichgesinnten. Das ist die gute Grundidee von Navid Kermanis Projekt "Welt aus den Fugen". Eine Woche lang reist er durch Deutschland und sucht in Schulen und Stadttheatern den Dialog. Im Schauspiel Köln hat Kermani ihn nicht gefunden.

Jedes Mal ist ein prominenter Gast dabei, diesmal Ex-Außenminister Joschka Fischer. Der dozierte erst einmal über die Bedeutung Europas in der Welt von morgen und darüber, dass man sich für die Demokratie engagieren und wählen gehen solle. Die Gleichgesinnten im ausverkauften Hause nickten. Navid Kermani versuchte, eine Debatte in Gang zu bringen. Zum Beispiel mit der Idee, dass ein reduziertes Kerneuropa den demokratischen Gedanken neu formulieren und attraktiver machen könnte. Darauf reagierte aber keiner. So hangelten sich die beiden vom Allgemeinplatz zur Anekdote, eine Selbstvergewisserungsstunde der Wohlmeinenden.

Und der Dialog mit dem Publikum? Da durften drei Fragen gestellt werden, kurze Fragen bitte, keine Redebeiträge, denn wo kämen wir denn da hin? Und es entstand ein Disput. Jemand schlug vor, Kermani solle sich ins Europaparlament wählen lassen. Der meinte, och, nee, da käme er nicht mehr zum Schreiben. Fischer meinte, käme er aber doch. Zwischendurch bemerkte Moderator Jürgen Wiebicke, dass es wohl kein Streitgespräch mehr geben würde. Ja, meinten die beiden Vorzeigedemokraten, da hätte man ja den Herrn Höcke einladen müssen, der hätte widersprochen, aber den Herrn Höcke, och nee.

Einmal wollte Kermani den Begriff "quantité négligeable" benutzen, Intellektuellendeutsch für eine zu vernachlässigende Menge. Was nebenher eine gute Zusammenfassung dieses Diskussionsversuchs gewesen wäre. Kriegte er aber nicht hin, es blieb bei "quantité negligé". Und so blieb immerhin ein gerade ob seiner Unfreiwilligkeit hinreißendes Wortspiel.

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