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Kalenderblatt | Beitrag vom 06.05.2019

Naturforscher Anders CelsiusDer Mann, der das Thermometer neu erfand

Von Dirk Lorenzen

Zeitgenössische Zeichnung des schwedischen Astronomen Anders Celsius. (picture alliance / akg)
Astronom und Naturforscher: Anders Celsius ist Namensgeber unserer Temperaturmessung in Grad Celsius. (picture alliance / akg)

Wir hören seinen Namen täglich, obwohl er heute vor 275 Jahren starb: Anders Celsius. Der schwedische Forscher erfand die Temperaturskala, die noch heute seinen Namen trägt. Zentral dabei war seine Idee, den Gefrier- und Siedepunkt von Wasser als Fixpunkte festzulegen.

Anders Celsius ist heute vor allem durch die nach ihm benannte Temperaturskala bekannt. Darüber sind die anderen Arbeiten des Naturforschers, der 1701 in Uppsala geboren wurde, in Vergessenheit geraten.

Während des Studiums beschäftigte sich Anders Celsius mit Mathematik, der Himmelskunde und physikalischen Experimenten. 1730 wurde er Professor für Astronomie in seiner Heimatstadt und pflegte zahlreiche internationale Kontakte, wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt:

"Celsius bereiste 1732 die vorzüglichsten Sternwarten Europas und verweilte besonders in Paris, wo er mit den dortigen Astronomen behufs der Bestimmung der Gestalt der Erde in Verbindung trat. Er trug wesentlich dazu bei, dass die französische Regierung ihm und anderen 1736 die Messung eines Meridianbogens zwischen Torneå und dem Dorf Pello in Westbottnien auftrug."

Der "stets aufmerksame" Monsieur Celsius 

Auf ihrer Expedition in den Norden Skandinaviens haben die Astronomen die Positionen der Sterne genau vermessen, woraus sich die Form der Erde ableiten ließ: Wie sich zeigte, ist unser Planet keine perfekte Kugel, sondern abgeplattet. Der Äquatordurchmesser der Erde ist gut 40 Kilometer größer als der Poldurchmesser.

"Die meisten dieser Beobachtungen sind allein der Umsicht von Monsieur Celsius zu verdanken. In einem Land, in dem das Firmament oft bedeckt ist, war er stets sehr aufmerksam und hat jede sich bietende Gelegenheit zur Beobachtung der Sterne genutzt."

Anders Celsius hat den Lauf der Gestirne vermessen, das Polarlicht und seinen Einfluss auf das Magnetfeld untersucht sowie die Bahnen der Jupitermonde berechnet. Zu Weltruhm gelangte er aber erst durch seine Arbeit "Über die Wärmemessung", die 1742 erschien, erklärt Jörg Rapp, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Langen.

Wenn Wasser gefriert und kocht

"Er hat die Temperaturskala neu erfunden, und zwar in dem Sinne, dass er zwei Fixpunkte definiert hat: den Gefrierpunkt von Wasser und die Temperatur des Kochens von Wasser unter gleichem Atmosphärendruck und so eine rekonstruierbare Thermometerskala erfunden hat. Und das besonders Schöne ist, dass es zwei so griffige Fixpunkte waren – gefrierendes Wasser und kochendes Wasser, was eben für den Lebensalltag der Menschen damals im 18. Jahrhundert schon eine wichtige Rolle gespielt hat."

Der Gefrier- und der Siedepunkt von Wasser lassen sich überall ohne allzu großen Aufwand bestimmen. Daher sind diese Fixpunkte der Temperaturskala bestens geeignet, um Thermometer zu eichen und weltweit vergleichbare Messungen zu ermöglichen, betonte Anders Celsius in seiner Publikation.

"So kann man sicher sein, dass verschiedene Thermometer bei gleichem Luftdruck auch stets das Gleiche messen. Zum Beispiel zeigt dann ein Thermometer, welches in Paris hergestellt wurde, dieselbe Wärme an wie ein Thermometer aus Uppsala."

Celsius hat das Thermometer nicht erfunden, aber zu einem genauen physikalischen Messinstrument gemacht. Seine Skala verlief allerdings ursprünglich andersherum. Jörg Rapp:

"Celsius hat nämlich tatsächlich den Siedepunkt des Wassers mit 0 Grad Celsius angegeben und den Gefrierpunkt mit 100 Grad Celsius, und das kennen wir natürlich heute nicht. Das wurde dann einige Jahre nach seinem Tode vom ebenfalls schwedischen Naturwissenschaftler und Botaniker Carl von Linné getauscht, sodass wir diese gebräuchliche Skala mit dem Nullpunkt bei gefrierendem Wasser und dem 100-Grad-Celsius-Fixpunkt bei siedendem Wasser haben."

Heiter und glücklich und niemals in Eile

Nur zwei Jahre nach seinen epochalen Thermometerstudien starb Anders Celsius 43-jährig in Uppsala an Tuberkulose. Ein Nachruf auf den Forscher würdigt sein sonniges Gemüt:

"Celsius war ein vielseitiger Mann. Er schrieb Verse auf Schwedisch und Latein und war stets heiter und glücklich. Und egal, wie viel er auch zu tun hatte, er schien niemals in Eile zu sein."

Einen Erfolg seines Wirkens hat Anders Celsius nicht mehr erlebt. Er hatte sich bis zuletzt vehement dafür eingesetzt, dass Schweden den Gregorianischen Kalender übernimmt, der damals schon mehr als ein Jahrhundert lang in den meisten Ländern Europas galt. Doch das geschah erst knapp zehn Jahre nach seinem Tod. So starb Anders Celsius nach dem damals in Schweden noch geltenden Julianischen Kalender am 25. April 1744 – im Rest Europas war das bereits der 6. Mai.

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