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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 13.06.2013

Naturerbe versus Brennholzlager

Gebiet des Nationalpark Hunsrück steht fest

Von Ludger Fittkau

Wanderer laufen auf dem Saar-Hunsrück-Steig an dem Waldweiher bei Kell am See vorbei. (picture alliance / dpa)
Wanderer laufen auf dem Saar-Hunsrück-Steig an dem Waldweiher bei Kell am See vorbei. (picture alliance / dpa)

Die geografischen Grenzen des ersten Nationalparks in Südwestdeutschland sind skizziert worden: Während die zuständige Umweltministerin Ulrike Höfken die ökologische Bedeutung des Waldes hervorhebt, machen sich andere Sorgen ums Heizen.

Die Gebietskulisse des ersten Nationalparks im deutschen Südwesten steht. Sie erstreckt sich im westlichen Teil des Hunsrücks vom Nahetal über den mit 816 Metern höchsten rheinland-pfälzischen Berg, den Erbeskopf, bis hin zu den südlichen Moselhöhen. Der sogenannte "Hochwald", ein großes zusammenhängendes Waldgebiet im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz wird der Kern des neuen rund 10.000 Hektar großen Nationalparks. Ulrike Höfken, die rheinland-pfälzische Umweltministerin:

"Dieses Gebiet hier ist der Lebensraum für die Wildkatze, sogar das europaweit bedeutendste Gebiet. Für den Schwarzstorch, für den Schwarzspecht für den Kolkraben, auch Fischadler finden sich hier, denkt man nicht im Wald, aber hier sind eben auch die entsprechenden Fischgründe, Fischseen. Ganz wichtig: Hier sind Moore und Feuchtwälder. Das sind die wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Erde und auch das ist ein wichtiger Aspekt, das wir hier mit dem Schutz der Moore und Feuchtwälder auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Belange der Region, etwa Interessen der Säge- und Holzindustrie, seien beim Zuschnitt des Nationalparks berücksichtigt worden. Besonders ertragreiche Waldteile können weiter bewirtschaftet werden, so Ulrike Höfken. Auch wurde der beliebte Skihang am "Erbeskopf" aus dem eigentlichen Nationalparkgebiet herausgenommen. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin betont, dass von den insgesamt 21 verschiedenen Biotop-Typen im neuen Südwest-Nationalpark 12 auf der "Roten Liste" der bedrohten Biotope stehen:

"Ich mache diese Aufzählung, damit sie sehen, es ist ein echter Schatz, es ist unser Erbe der Menschheit und der Natur, das sich hier wiederfindet. Und damit, mit einem solchen Nationalpark, kommen wir unserem Ziel, zur nationalen Biodiversitätsstrategie auch einen Beitrag als Land Rheinland-Pfalz zu leisten, auch entsprechend näher."

Nicht alle Bürger im westlichen Hunsrück sind vom neuen Nationalpark begeistert. Ferdinand Ledwig ist einer der Sprecher des Vereins "Ja zur Natur- Nein zum Nationalpark":

"Wir haben schon sehr viele Landschaftsschutzgebiete hier im Hunsrück, viele Naturreservate, alles das läuft. Wenn wir jetzt einen Nationalpark haben hier im Hunsrück, dann brauchen wir wieder einen neuen Verwaltungsapparat, vieles muss umgekrempelt werden, was unnötig Steuergelder kostet."

Andere Bewohner der Dörfer, die unmittelbar im Hochwald liegen, haben die Befürchtung, dass sie nicht mehr wie bisher Brennholz für die heimischen Ofenheizungen in den Kernzonen des neuen Nationalparks sammeln können. Im Dorf Züsch im Kreis Trier-Saarburg, wo die rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken gestern den Zuschnitt des Nationalparks vorstellte, lebt Elisabeth Häuser. Sie unterstreicht: Viele Menschen hier in den Hochwald-Dörfern seien nicht sehr wohlhabend, das Holz aus dem Wald sei eine alte, aber auch heute noch wichtige Methode, die Heizkosten in den langen Hunsrückwintern zu minimieren:

"Ich weiß auch, dass viele sich einen Ofen angeschafft haben, gar keine Alternative haben zum Heizen. Oder auch finanziell nicht die Alternativen haben, dann ist das auch eine Bedrohung für die Leute. Eine finanzielle, ja auch, wie gestaltet man vielleicht das Haus um, es ist ja alles darauf ausgelegt."

Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland versichern: Sie wollen die Brennholzfrage bei weiteren Foren mit den Bürgern vor Ort so lösen, dass deren Interessen ausreichend berücksichtigt werden. Anders als im Schwarzwald wird es eine regionale Bürgerbefragung zum Nationalpark Hunsrück nicht geben, betont die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken von den Grünen. Der neue Nationalpark sei eben nicht nur die Sache der Hunsrückbewohner:

"Wir haben mit den Nationalpark ein Gebiet, was von landesweiter Bedeutung ist, sogar von bundesweiter. Nationalpark ist ja so definiert. Und da stellt sich die Frage, wer sollte da abstimmen?"

Die Gemeinderäte der Hunsrückregion sollen zwar ein Votum abgeben, so Höfken. Das sei ausdrücklich erwünscht. Doch den Nationalpark im Staatsforst beschließen werden am Ende wohl Mitte nächsten Jahres die Landesparlamente des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz. Dazu werden voraussichtlich eigene Landesgesetze geschaffen.

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