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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 25.06.2016

NaturDie neue Lust am Wandern

Achill Moser und Klaus Erber im Gespräch mit Klaus Pokatzky

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Wanderer am Rheinsteig zwischen Kaub und St. Goarshausen  (picture alliance / dpa / Frank Kleefeldt)
Wanderer am Rheinsteig zwischen Kaub und St. Goarshausen. Der Fernwanderweg Rheinsteig geht über etwa 320 Kilometer von Wiesbaden bis nach Bonn. (picture alliance / dpa / Frank Kleefeldt)

Wandern ist in: Rund 70 Prozent der Deutschen sind regelmäßig an der frischen Luft unterwegs. Das Wandern hat längst sein Senioren-Image abgelegt. Immer mehr junge Leute und Familien packen ihren Rucksack.

"Ich liebe das Zu-Fuß-Reisen", sagt Achill Moser.

"Es ist für mich eine Art Rückkehr zur Langsamkeit, ein Allheilmittel gegen die Stressfaktoren der Zivilisation. Wandern garantiert eine viel intensivere Wahrnehmung als alles andere."

25 Wüsten auf allen Kontinenten durchwandert

Moser ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Welten- und Wüstenwanderer: Seit er mit 17 Jahren durch die Wüste in Marokko gewandert ist, hat ihn das Reisen zu Fuß nicht mehr los gelassen. In mehr als 30 Expeditionen erkundete er 25 Wüsten auf allen Kontinenten. 2008 durchquerte er als erster Mensch die Sahara, zu Fuß und auf Kamelen. Bei den Turkana-Nomaden in Kenia lernte er das richtige Gehen – jenes gleichmäßige Tempo, bei dem der Mensch mit den Kamelen Schritt halten kann. Ihre Weisheit hat er als Titel seines neuesten Buches gewählt: "Zu Fuß hält die Seele Schritt".

Der Wüstenwanderer und Autor, Achill Moser (picture-alliance / dpa / Georg Wendt)Der Wüstenwanderer und Autor, Achill Moser (picture-alliance / dpa / Georg Wendt)

Der Abenteurer war aber nicht nur in exotischen Ländern unterwegs; er überquerte auch die Alpen und folgte den Spuren Heinrich Heines im Harz. Gemeinsam mit seinem Sohn Aaron ging er auf den Wegen von Cervantes' Helden Don Quijote – 1000 Kilometer durch Kastilien-La-Mancha. Nach vier Jahrzehnten Reiseerfahrungen beschäftigen ihn viele Fragen:

"Was bedeutet Pilgern für uns? Was bedeutet Spiritualität? Was ist Aufbruch für uns – und was ist Loslassen? Es ist ein großer Wunsch vieler, wegzugehen. Aber wie lasse ich los, von der Familie, von den Lieben? Wie nehme ich meine glücklichen Erfahrungen in meinem inneren Rucksack mit nach Hause? Und wie kann ich das in meinen Alltag mit einfließen lassen?"

Mehr direkte Naturerlebnisse

"Wandern ist gesund", sagt Klaus Erber.

"Außerdem ist es ausgesprochen wichtig, dass die Leute direkte Naturerlebnisse haben. Nur so kann man gewährleisten, dass die Menschen verstehen, wie schützenswert die Natur ist."

Der Geograph ist Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts in Marburg. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Wanderwege in Deutschland zu begehen und zu zertifizieren. Über 550 Wege tragen mittlerweile das Siegel "Premiumweg", ob im Saarland, Hessen, Thüringen oder Baden-Württemberg.

Gerade für Ältere oder auch Familien mit kleinen Kindern sei es hilfreich, zu wissen, wie lang eine Strecke ist, wie schwierig; ob es in der Nähe Parkplätze gibt, einen Gasthof oder Sehenswürdigkeiten. Zudem könnten die meisten Wanderer mit Karten nichts anfangen, sie seien auf eine gute Beschilderung angewiesen.

"Die Menschen brauchen eine Orientierung. Es fährt keiner 300 Kilometer in der Hoffnung auf einen guten Wanderweg."

Die neue Lust am Wandern - darüber diskutiert Klaus Pokatzky am Samstag, den 25. Juni 2016 von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Achim Moser und mit Klaus Erber. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:
Über Achill MoserÜber das Deutsche Wanderinstitut

Literaturhinweis:
Achill Moser: Zu Fuß hält die Seele Schritt, Verlag Hoffmann & Campe, 2016

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