Seit 18:30 Uhr Weltzeit

Montag, 09.12.2019
 
Seit 18:30 Uhr Weltzeit

Kompressor | Beitrag vom 31.10.2019

Nationalismus im PopRappen fürs Vaterland

Thorsten Hindrichs im Gespräch mit Max Oppel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Chris Ares rappt auf einer Protestveranstaltung gegen den Bau einer Moschee in Erfurt. (picture alliance/Jens Meyer)
"Wir machen die Deutschen stolz" - mit solchen Zeilen profiliert sich Chris Ares als Rapper der rechten Szene. (picture alliance/Jens Meyer)

Die Neue Rechte führt ihren Kampf um kulturelle Hegemonie inzwischen auch mit nationalistischem Hip-Hop – und verwischt dabei die Grenzen zwischen Musik und rechtsextremen Aktivismus.

Wenige Begriffe sind in Deutschland ähnlich vorbelastet wie der Begriff der Nation. Das Ringen der Gesellschaft um einen richtigen Umgang mit ihm zeigt sich auch in der Popmusik – so etwa am Wandel der Genrebezeichnung "Deutschrock".

War das Label "Deutschrock" ursprünglich Ende der 60er-Jahre für eher politisch linksstehende Bands reserviert, die auf Deutsch sangen, ließe sich seit Anfang der Nullerjahre eine Umwertung des Begriffs beobachten, so der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs. Zunehmend bemächtigte sich eine Szene des Begriffs, "die das Erbe der Böhsen Onkelz" angetreten habe – eine Band, die für ihre Nähe zum Rechtsrock in den 80er-Jahren viel kritisiert wurde. 

"Nationaler Sprechgesang"

Dabei müsse man unterscheiden zwischen Musik, die von der extremen Rechten gemacht werde und Musik, die aus der Mehrheitsgesellschaft komme, aber zum Teil eben auch extreme rechte Positionen und Einstellungen bediene, so Hindrichs. Diese beschränke sich schon lange nicht mehr nur auf Rockmusik.

"Klassische rechte Parteien wie die NPD haben um 2010 angefangen mit 'nationalem Sprechgesang', wie sie es genannt haben, zu experimentieren. Vor dem Hintergrund, dass dies die Musik ist, die die Jugend in Deutschland am meisten hört. Sie wollten die Verbindung zur Jugend nicht verlieren."

Hip-Hop aus dem Umfeld der Identitären

Dieses Projekt sei jedoch gescheitert. Anders als die Versuche aus der Neuen Rechten. Im Versuch, sich als hippe Jugendkultur zu inszenieren, setze sie vermehrt auf Hip-Hop. Musiker aus dem Umfeld der Identitären Bewegung, wie der Rapper Chris Ares, machten "sich die Strategie der Metapolitik der Neuen Rechten" zu eigen, sagt Hindrichs. Über einen Kulturkampf von Rechts solle so kulturelle Hegemonie hergestellt werden.

Der rechtsradikale Rapper Chris Ares und Mitstreiter auf einer AfD-Kundgebung in München. (imago/ZUMA Press/Sachelle Babbar)Der rechtsradikale Rapper Chris Ares läuft auch bei AfD-Kundgebungen auf – wie hier in München. (imago/ZUMA Press/Sachelle Babbar)

Provokative Aussagen gehörten zwar schon immer zur Kultur des Gangsta-Rap. Einer der entscheidenden Unterschiede zwischen der Hip-Hop-Kultur der 80er- und 90er-Jahre in den USA und dem Rap der Neuen Rechten sei jedoch, dass der Unterschied zwischen Bühnenfigur und Privatperson bei den Rappern der Neuen Rechten aufgehoben werde:

Keine Trennung zwischen Bühnen- und Privatperson

"Die Interpreten und Interpretinnen haben damals nach außen hin immer sehr deutlich gemacht, dass sie in dem Moment, wo sie ihren Hip-Hop-Track performen, eine Rolle übernehmen. Diese Trennung zwischen Bühnen- und Privatperson nimmt jemand wie Chris Ares überhaupt nicht vor. Es ist nicht mehr ganz so einfach zu unterscheiden: Was ist zuerst, der Hip-Hopper oder der rechtsextreme Aktivist?"

Man müsse heute feststellen, dass eine genuin rechte Popkultur existiere, ausgehend von massenkompatibler rechter Popmusik: "Jede Gesellschaft macht die Musik, die ihrem inneren Einstellungspotential entspricht", sagt Hindrichs. Man könne von der Popmusik aber auch nicht erwarten, dass sie die Welt rette. "Das müssen wir dann schon selber machen."

(rod)

Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur