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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.02.2018

National Portrait Gallery enthüllt Obama-PorträtsSpiegel der Trauer um eine verlorene Hoffnung

Antje Krause-Wahl im Gespräch mit Moderatorin Elena Gorgis

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Ex-Präsident Barack Obama und die frühere First Lady Michelle Obama bei der Enthüllung ihrer Porträts in der "Smithsonian's National Portrait Gallery. (dpa-Bildfunk / AP / Andrew Harnik)
"Ich habe versucht, kleinere Ohren herauszuhandeln", scherzte Barack Obama bei der Enthüllung seines Porträts. (dpa-Bildfunk / AP / Andrew Harnik)

Ein politisches Statement: Kehinde Wiley durfte als erster Schwarzer Künstler ein Präsidentenporträt für die National Portrait Gallery in Washington malen. Die Melancholie in den Gesichtern der Obamas sei auch ein Spiegel des aktuellen Zustands der US-Gesellschaft, meint Kunsthistorikerin Antje Krause-Wahl.

Der afroamerikanische Künstler Kehinde Wiley bleibe mit dem Porträt von Barack Obama seinem Stil treu, sagt Kunsthistorikerin Antje Krause-Wahl. Er sei dafür bekannt, dass er Darstellungen und Porträts von europäischen Meistern übernehme, Menschen in den Posen der alten Meister einschreibe und ornamentale Hintergründe auswähle. Dies sei sein "Signature Style".

Der in New York lebende Maler habe aber beim Porträt von Barack Obama seinen flamboyanten Stil ein wenig in den Hintergrund treten lassen, da das rankende Laub hinter Obama etwas Melancholisches an sich habe. Überdies bauten die gekreuzten Arme eine Distanz zum Betrachter auf.

Eine von weißen Menschen dominierte Bildkultur

Mit diesem Werk schreibe Kehinde Wiley erstens konsequent sein Programm fort, so Antje Krause-Wahl: "Sein großes Thema ist ja: Wie kann man Menschen mit afroamerikanischem Hintergrund in einer von Weißen dominierten Bildkultur präsentieren?" Zweitens zeige er einen besonders reflektierten Präsidenten, der um die Besonderheit seiner Rolle weiß. Das habe Kehinde Wiley sehr gut umgesetzt, meint Krause-Wahl.

Bilder stehen in gelungener Korrespondenz zueinander

Das Porträt von Michelle Obama, von der afroamerikanischen Künstlerin Amy Sherald gemalt, wirke als schlichtes Porträt mit monochromem Hintergrund im ersten Augenblick sehr unterschiedlich zu dem ihres Mannes, so Antje Krause-Wahl weiter. Die Haut sei nicht glänzend, wie oft bei Kehinde Wiley zu beobachten, sondern in einem Grauton gehalten, für den Amy Sherald sehr bekannt sei.

Alle von ihr Porträtierten hätten diese Hautfarbe, die, genau wie bei Kehinde Wiley, die Frage aufwerfe, wie Schwarze Menschen in Bildern dargestellt werden. Dadurch, und durch die auch in diesem Bild vorhandene Melancholie, stehe das Bild in gelungener Korrespondenz zu dem von Barack Obama.

Trauer um eine verlorene Hoffnung

Genau in dieser Melancholie sieht die Kunsthistorikerin auch den Bezug zur aktuellen politischen Lage: "Ich fand es fast ein bißchen traurig, als ich die beiden Bilder gesehen habe. Ich erinnere mich noch sehr gut an diese hoffnungsvolle Zeit, in der Barack Obama angetreten ist." In dem heute vorgestellten Porträt rücke Obama fast ein wenig in den Hintergrund.

Er werde von dem Laub hinter ihm fast umschlossen, als ob er verschwinde. Darin spiegele sich, genauso wie in dem an ein Schwarz-Weiß-Foto erinnernden Bild seiner Frau, der Zustand der amerikanischen Gesellschaft, die Trauer um eine verlorene Hoffnung.

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