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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.03.2017

Naomi Novik: “Drachensieg“Die letzte Schlacht um die Freiheit

Von Elena Gorgis

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Drachenbrücke in Ljubljana (picture alliance/dpa/Foto: Lars Halbauer)
Drachenbrücke in Ljubljana, Slowenien (picture alliance/dpa/Foto: Lars Halbauer)

Die amerikanische Schriftstellerin Naomi Novik ist ein Star unter den Fantasy-Autoren. In all ihren Büchern spielen Drachen die Hauptrolle, so auch in ihrem jüngsten Roman der "Drachensieg". Darin treten ein Feuerreiter und sein Drache Napoleon entgegen.

Der Drache gehört fest zum Genre Fantasy. Das geht weit zurück: Nachdem die moderne Naturwissenschaft den mittelalterlichen Glauben an die Existenz der geflügelten Riesenschlangen ausgelöscht hat, hat die Fantastik diese Tiere schon bald für sich entdeckt. In der Fantasy-Literatur gelten sie allerdings nicht mehr als Tiere des Teufels, sondern als faszinierende, eher positiv besetzte Wesen: Ob im "Hobbit", bei "Harry Potter", "Eragon" oder im "Lied von Eis und Feuer", stets sind sie anmutig, können Feuer speien, denken und sprechen wie Menschen, sind treu, prachtvoll anzusehen und haben eine Schwäche für Schätze aller Art. 

Mit Drachen zum Erfolg

Kein Wunder, dass die amerikanische Autorin Naomi Novik mit einer Buchreihe zum Star der Szene werden konnte, in der Drachen die Hauptrolle spielen. In "Die Feuerreiter seiner Majestät" erzählt Novik die Napoleonischen Kriege nach, lässt sie aber, in einem ungewöhnlichen Mix aus Fantastik und historischem Roman, zwischen Drachen-Luftstreitkräften ausgetragen werden. Der englische Schiffskapitän William Laurence wird ungeplant zum Ziehvater des wiederum ungeplant in britische Hände gefallenen chinesischen Himmelsdrachen Temeraire. Wie die beiden von Außenseitern zu Helden des britischen Luftkorps werden, war 2006, als die ersten drei Bände der Reihe gleichzeitig herauskamen, neu und aufregend. In 23 Sprachen wurden die Romane übersetzt und entwickelten sich schnell zu Bestsellern.

Beliebtes Fabelwesen

Bei solch einem Debüt-Erfolg schlägt das Gesetz des Fantasy-Marktes gnadenlos zu: Die Geschichte muss in Serie gehen. Fantasy-Leser sind mindestens genauso treu wie Drachen und deshalb reichten hier keine drei Bände, nicht mal sieben wie bei "Harry Potter", nein, neun sollten es sein – schließlich zogen sich die Napoleonischen Kriege ja auch mehrere Jahre hin. Laurence und Temeraire mussten deshalb einmal um den Globus reisen und allerlei Abenteuer bestehen: In China, Südafrika, Brasilien und Australien schmiedeten sie Allianzen gegen Napoleon, bis sie nun schließlich im neunten und letzten Band "Drachensieg" in Russland landen, wo die napoleonische Armee im Eis und Schnee versinkt. Eine Gesamtauflage von knapp 650.000 Büchern allein in Deutschland gibt dieser Markt-Strategie unter finanziellen Gesichtspunkten Recht. Die Geschichte aber leidet.

Historische Fakten und witzige Dialoge

Tapfer bringt Naomi Novik ihre Saga zu Ende. Sie spart nicht mit historischen Fakten und detailreichen Schlachten-Beschreibungen. Und auch dieses Buch lebt wieder von den witzigen Dialogen zwischen dem etwas steifen, förmlichen Kapitän Laurence und dem unbefangenen Temeraire. Letztlich geht hier auch um den Idealtypus einer Freundschaft – zwischen den Drachen und seinen Reiter passt kein Blatt. Eine Botschaft, die nie aus der Mode kommt und für die die Fans die Bücher lieben. Aber an das Feuer und das Tempo der ersten drei Bände kommt dieser Abschluss der Serie nicht mehr heran.

Es braucht viel Mut und Verhandlungsgeschick, sich als junge Autorin den Interessen der Verlage zu widersetzen und seine Geschichte im Vornherein vertraglich auf wenige Bände zu begrenzen. Mit "Uprooted", einem dunklen Fantasy-Märchen, das Naomi Novik vor zwei Jahren veröffentlicht hat, ist ihr genau das gelungen. Der Einzelroman erhielt – wie auch der Beginn ihrer Feuerreiter-Serie – zahlreiche Fantasy-Preise.

Naomi Novik: "Drachensieg"
Aus dem Englischen von Marianne Schmidt
Penhaligon Verlag, München 2017
512 Seiten, 14,99 Euro

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