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Tonart | Beitrag vom 14.03.2018

Nakhane: "You Will Not Die"Frei und ohne Angst

Von Alexandra Friedrich

Schauspieler und Sänger Nakhane Touré (imago)
Der Musiker Nakhane ist auch Schauspieler. So ist er in dem vielfach prämierten Film "Die Wunde" zu sehen. (imago)

Die Platte "You Will Not Die" des südafrikanischen Künstlers Nakhane zeugt von den Schmerzen, die ihm zugefügt wurden: Als Homosexueller wuchs er in einer streng christlichen Gemeinde auf und litt unter Angststörungen. Sein Album ist ein Tribut an die Liebe.

"Du musst einfach ehrlich sein - das ist es, was eine gute Story ausmacht." Der südafrikanische Künstler Nakhane - oder Nakhane Touré, wie er sich noch bis vor Kurzem als Tribut an den malischen Musiker Ali Farka Touré nannte - erzählt Geschichten aus seinem eigenen Leben. Über seine Homosexualität, Männlichkeitsideale, über Familie und Glauben. Mit einer Stimme von androgyner Schönheit, passend zu seiner äußeren Erscheinung, den weichen, Gesichtszügen und dem zierlichen Körper.

"Ich werde heute nicht sterben"

Im titelgebenden Song "You Will Not Die" geht es um die Befreiung von Ängsten. Er ist der Schlüsselsong des Albums. Schon immer habe er Angst vor dem Tod, erzählt der 30-jährige Nakhane. Er berichtet von seiner diagnostizierten Angststörung – mit ernster Miene, um kurz darauf lächelnd fortzufahren:

"Eines Nachts im Traum hörte ich diese Stimme, die mir meinen Todestag nannte. Ich wachte auf und mir wurde klar: Ich werde heute nicht sterben, nicht morgen und auch nicht in zehn Jahren. Mir geht es gut und ich werde das Leben da draußen genießen."

Zu diesem Zeitpunkt war Nakhane Mahlakahlaka, wie er bürgerlich heißt, Mitte 20. Geprägt hatten ihn seine Kindheit und Jugend in einer strenggläubigen christlichen Gemeinde in der Ostkap-Provinz Südafrikas. Religion und Homosexualität – das ging nicht gut zusammen. Die Kirchengemeinde machte ihm weiß, es sei falsch und heilbar, sein eigenes Geschlecht zu lieben. Schmerzhafte Erinnerungen, die er auf dem neuen Album verarbeitet.
 
"You always meant so well" – "Ihr habt es immer gut gemeint" –, singt Nakhane in dem Song "Presbyteria", wenn er sich an die vermeintlich wohlmeinenden Ratschläge erinnert, seine eigene Sexualität zu unterdrücken, seine Identität zu verneinen. Heute blickt er versöhnlich zurück:

"Looking back on people that hurt you and going: you know what, I still love you because maybe you didn't mean to."

Musiker, Schriftsteller, Schauspieler

Nakhane machte schon als Kind Musik – sang im Kirchenchor, bekam klassischen Posaunenunterricht und spielte nebenbei Klavier, Steel Drums, Marimbas, Gitarre. Mit 17 entdeckte sein Englischlehrer Nakhanes literarisches Talent und schlug ihm vor, ein Buch zu schreiben. Etwa zehn Jahre später, 2015, veröffentlichte er seinen Debütroman "Piggy Boy's Blues". Auch hier zentral: die gleichgeschlechtliche Liebe, verortet in seiner alten Heimat, dem Ostkap Südafrikas. Nakhane lebt da bereits in der Metropole Johannesburg, doch seine Vergangenheit hat er im Gepäck.

Zwei Jahre darauf besetzt der Regisseur John Trengove den Schauspiel-Laien – dessen Begabung ahnend – für die Hauptrolle in seinem Spielfilm "Die Wunde". Ein Drama über eine homoerotische Dreiecksgeschichte und die Initiationsrituale für männliche Xhosa, einem südafrikanischen Volk, dem auch Nakhane angehört. "Die Wunde" wurde vielfach prämiert – unter anderem für den besten Darsteller: Nakhanes Verkörperung des jungen, sensiblen Fabrikarbeiters Xolani.

Elektronische Sounds und Klavierballaden

Im gleichen Jahr erscheint die erste Single des aktuellen Albums. Hier wird schon deutlich, dass er im Vergleich zu seinem Debüt weniger auf "handgemachte" Musik setzt als auf elektronische Sounds.
 
Die Akustikgitarre und das Piano kommen noch an einigen Stellen zum Einsatz, aber viele Sounds werden auf Synthesizern und am Rechner erzeugt. Neben Dance und Synthpop, Soul- und Gospelstücken, ist vor allem die Klavierballade präsent.

"You Will Not Die" zeugt von Schmerzen, die Nakhane zugefügt wurden. Trotzdem ist es kein Album voll Hass, sondern ein Tribut an die Liebe. Etwa die seiner Großmutter, die ihn genau so sein ließ, wie er ist, und nichts von ihm wünschte als seine Liebe.

"She was the only person who left me and never wanted anything from me. Nothing. She wanted nothing but my love."

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