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Interview | Beitrag vom 10.07.2020

Nach UN-Bericht zu Wilderei Revierkampf statt Trophäenjagd in Deutschland

Moritz Klose im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Nordluchs, auch Europäischer Luchs, streift durchs Unterholz in Hessen in Deutschland (picture alliance / blickwinkel/D. & M. Sheldon)
Lüchse stehen auf der Liste der Wilderer in Deutschland ganz weit oben. (picture alliance / blickwinkel/D. & M. Sheldon)

Wilderei ist auch in Deutschland ein Problem – nicht nur in fernen Ländern. Moritz Klose, Referent für Wildtiere beim ‎WWF Deutschland, sieht hierzulande vor allem Wölfe, Luchse und Greifvögel in Gefahr. Dabei ginge es Wilderern oft nicht um die Trophäe.

310 Milliarden Euro. Pro Jahr. So groß ist der globale Markt für den illegalen Handel mit Wildtieren und Wildpflanzen, schätzt das UN-Büro zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC. Das reicht von Elfenbein über Schuppentiere bis hin zu Aalen oder Edelhölzern, sagt die Direktorin des Büros, Ghada Waly. So gut wie alle Länder der Welt spielen dabei laut Waly eine Rolle.

Dass die Preise für Elfenbein oder Nashörner zuletzt gefallen sind, wertet das Büro als Erfolg. Es erklärt ihn unter anderem mit mehr Aufklärung und mehr Strafverfolgung. Dafür hat sich in den letzten Jahren die Menge an beschlagnahmten Schuppentieren und ihren Hornschuppen verzehnfacht. 

Zum illegalen Geschäft gehört auch der Schmuggel mit lebenden Tieren. Vor allem Schildkröten sind laut dem UN-Bericht begehrt, aber beispielsweise auch wilde Katzen. Nach Einschätzung der italienischen Journalistin Tonia Mastrobuoni befriedigten viele mit diesen Tieren und Tierprodukten ihren Drang nach Exotik, wie sie im Deutschlandfunk Kultur sagte: "Vielleicht sind Katzen zu harmlos. Oder man will auffallen. Aber es macht einen auch stärker den anderen gegenüber."

Ein weites Feld der von Wilderei betroffenen Arten

Fast 6000 verschiedene Tiere und Pflanzen sind es insgesamt, die laut dem UNODC illegal gehandelt werden. Es sei gut, dass der Bericht sich das weite Feld der betroffenen Arten anschaue, sagt dazu Astrid Schomaker, die für die EU-Kommission an der Präsentation teilnimmt. Es ist wichtig, so Schomaker, dass wir nicht nur auf die ikonischen Spezies wie Elefanten oder Nashörner schauen.

Nach Einschätzung von ‎Moritz Klose, Referent für Wildtiere beim ‎WWF Deutschland sind hierzulande in erster Linie Wölfe, Luchse und vor allem Greifvögel von Wilderei betroffen. "Und sogar auch auf solche Arten wie Muscheln haben es einzelne Kriminelle abgesehen." Der Begriff "Wilderei" bedeute hier das "illegale Töten von streng geschützten Arten". Allein bei den Wölfen seien es laut WWF-Zählungen rund 50 Tiere, die seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland nach der Wende illegal getötet wurden. "Und die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen."

Nicht nur ein Problem der fernen Länder

Das Problem der Wilderei sei ein Problem vor unserer Haustür und nicht etwa eine Erscheinung in fernen Ländern, so Moritz Klose. "Allein 20 bis 25 Prozent der Luchse im Bayerischen Wald werden illegal getötet." Und diese sei auch deutlich im Bestand zu spüren. "Seit den 80er-Jahren gibt es im Bayerischen Wald wieder Luchse, aber die breiten sich nur sehr, sehr langsam aus."

Schwierig und aufwändig seien hier die strafrechtliche Verfolgung und die Ermittlung der Taten. So seien Luchse etwa erschossen oder stranguliert aufgefunden worden. "Die Methoden der Täter sind vielfältig. Doch keiner dieser Fälle ist aufgeklärt worden: Es fehlt an Zeugen, es fehlt an Beweisen, obwohl Wilderei eine schwere Straftat ist, also das Bundesnaturschutzgesetz sieht da eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor", sagt Moritz Klose. 

Klassischer Konflikt zwischen Landnutzung und Naturschutz

Ein weiteres Manko der Bekämpfung von Wilderei durch die Behörden sei die Dokumentation der Taten. "Alle Bundesländer zählen diese Fälle ganz unterschiedlich und in manchen Bundesländern verschwinden sie einfach in irgendeiner Kriminalstatistik." Klose fordert hier eine zentrale Dokumentation, weil sich die Behörden erst dann auch ein klares Bild machen könnten. 

Die Motive seien hier nicht in der Trophäensammlung zu sehen, sondern vielmehr in der Abneigung gegen diese Tiere, die als Gefahr betrachtet werden, oft von Nutztierhaltern oder als Konkurrenten für den Jäger, so Klose: "Ein klassischer Konflikt zwischen Landnutzung und Naturschutz, der in einer extremen Art und Weise ausgetragen wird."
Hören Sie zum Thema auch einen Beitrag von Axel Rahmlow.
(sru)

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