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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.01.2019

Nach Kritik aus Saudi-ArabienNetflix zensiert sich selbst

Von Marcus Schuler

Das Bild zeigt des Comedien Hasan Minhaj (Foto:xD.xVanxTinex xFuturexImage)
"Ich weiß jetzt, was Sie denken": der Comedian Hasan Minhaj. (Foto:xD.xVanxTinex xFuturexImage)

Netflix hat nach einer Beschwerde aus dem saudi-arabischen Königshaus die Ausstrahlung einer Episode der Comedy-Serie "Patriot Act with Hasan Minhaj" zurückgezogen. In der Folge äußert sich der Komiker kritisch über das Land.

Die wöchentliche Sendung von Hasan Minhaj gehört mit zu den erfolgreichsten Comedy-Serien bei Netflix. Das zumindest legt eine Datenauswertung des Analysedienstes Crimson Hexagon nahe.

Umso mehr hat die Sperrung einer Episode für das Gebiet von Saudi Arabien für Irritationen gesorgt. Konkret geht es um die zweite Folge der Comedy-Reihe "Patriot Act", die seit 28. Oktober via Netflix abrufbar ist. In der sagte Minhaj über den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman unter anderem:

"Ich denke, er ist wirklich kein Erneuerer. Alle Moslems sind der Meinung: Das ist doch klar, er ist der Kronprinz von Saudi-Arabien. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, unser Verhältnis zu dem Land zu überdenken. Und das sage ich als Moslem und Amerikaner."

Im weiteren Verlauf der Folge meint Minhaj außerdem, Saudi Arabien sei verrückt, eine riesige Familie kontrolliere alles.

Hasan Minhaj ist in Kalifornien geboren. Der 33-Jährige wurde durch die Comedy Reihe "Daily Show" bekannt. Seine Eltern kommen aus Indien und sind muslimischen Glaubens. Der Vater ist Chemiker, die Mutter Ärztin. Minhaj lebt in New York und ist verheiratet, seit April vergangenen Jahres ist er Vater einer Tochter.

Kritik an Ermordung Khashoggis

Auch in der letzten Episode des Jahres nimmt der Comedian kein Blatt vor den Mund und kritisiert erneut die Ermordung des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei.

"Selbst der US-Geheimdienst CIA kam zu der Schlussfolgerung, dass der saudische Kronprinz die Ermordung von Kashoggi in Auftrag gegeben hat. Als Antwort darauf haben Deutschland, Finnland und Dänemark ihre Waffenverkäufe an das Land eingestellt. Ich weiß jetzt, was Sie denken, Dänemark und Finnland … Das wäre so, als ob Ihre Großeltern Ihnen sagten: 'Hey, wir gehen jetzt nicht mehr mit den Black Eyed Peas auf Tournee.'"

Netflix sperrt zum ersten Mal eine Folge

Es ist das erste Mal, dass der kalifornische Streamingdienst mit Sitz in Los Gatos im Silicon Valley eine Folge sperrt. Netflix hat bestätigt, dass die entsprechende Sendung nur in Saudi-Arabien nicht mehr abrufbar sei.

Das Unternehmen teilte mit, dass man zwar die künstlerische Freiheit auf der ganzen Welt unterstütze. Man müsse sich aber an lokale Gesetze halten. Saudische Behörden hätten die Löschung des Videos verlangt, da dieses gegen ein Gesetz gegen Cyberkriminalität verstoße.

Menschenrechtsgruppen kritisieren den Streamingdienst

Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International haben Netflix für den Schritt scharf kritisiert und gesagt, das Unternehmen habe sich von dem Regime einschüchtern lassen. Gegenüber der ARD sagte die Amnesty International-Direktorin für den Mittleren Osten, Sara Hashash:

"Die Zensur durch Saudi Arabien zeigt, dass es in dem Land keine freie Meinungsäußerung gibt. Es zeigt, welche Anstrengungen es unternimmt, um Kritiker zum Schweigen zu bringen."

Das saudische Königshaus hat nach Darstellung von Menschenrechtlern das Gesetz gegen Cyberkriminalität schon mehrfach dazu benutzt, um unliebsame Schriftsteller, Künstler und Journalisten zu zensieren.

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