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Interview | Beitrag vom 05.08.2019

Nach Kritik an E-Rollern im Straßenverkehr Neuer Mobilität eine Chance geben

Katja Diehl im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Vier Elektroroller, die in Berlin-Mitte den Bürgersteig versperren.  (Ulrich Baumgarten)
Viele Elektroroller werden nach Gebrauch einfach auf dem Bürgersteig abgestellt. (Ulrich Baumgarten)

Seit die E-Tretroller im Einsatz sind, wächst die Kritik. Die Mobilitäts-Expertin Katja Diehl spricht sich für mehr Geduld bei den Neuerungen aus. Für die Probleme seien nicht die Anbieter oder die Technik verantwortlich, sondern die Nutzer.

Seit Mitte Juni sind E-Tretroller in Deutschland zugelassen. Jetzt fordert der Deutsche Städtetag, dass die Anbieter ihren Kunden die Regeln besser erläutern. In vielen Städten gibt es Ärger, weil Leihroller beispielsweise einfach auf den Bürgersteigen oder Radwegen abgestellt werden oder im Weg herumliegen.

Technik sei immer nur so schlau und so gut, wie der Mensch, der sie benutze, sagte Katja Diehl, Unternehmensberaterin für Mobilität, im Deutschlandfunk Kultur. Wenn die Roller falsch benutzt würden, seien die Benutzer schuld. Sie finde es schwierig, die Anbieter-Firmen in die Verantwortung zu nehmen. Schließlich unterschrieben Kunden auch die AGBs der Firmen, wenn sie sich die App herunterladen.  

Parkende Autos als Problem

Den meisten Platz in der Stadt beanspruchten die parkenden Autos, sagte Diehl. Sie stünden meist herum und würden wenig gefahren. "Diese Debatte wird irgendwie gar nicht geführt." Vielleicht benötigten neue Formen der Mobilität auch mehr Platz in den Städten. Bisher werde der Stadtraum immer noch sehr autozentriert gestaltet.

Es gehe ihr darum, Mobilität einmal ganz anders zu denken und neuen Dingen zunächst einmal eine Chance zu geben. "Als die Eisenbahn eingeführt wurde, hat man über Intelligenzverlust geklagt." Damals habe man geglaubt, die Bahn sei wegen ihrer Schnelligkeit nicht gut für die Gesundheit. Sie finde es unfair, bereits Urteile über die E-Roller zu fällen, nachdem diese erst einige Wochen im Einsatz seien.

Spaß als Motiv für den Umstieg

Das einzige Argument, das sie gelten lasse, sei die Kritik von blinden Menschen, denn die E-Roller seien eine "relativ lautlose Mobilität". Auch sei zweifelhaft, wie viel sie zum Umweltschutz betrügen. Aus anderen Ländern sei bereits bekannt, dass die Roller nur wenige Monate hielten und dann seien sie Elektromüll. Sie selbst fahre lieber Fahrrad.

Bei den Nutzern der E-Roller sehe sie aber auch Begeisterung, sagte Diehl. "Ich sehe, das macht den Leuten augenscheinlich Spaß." Diese Emotionen seien wichtig, um die Leute zum Umstieg vom Auto auf ein anderes Verkehrsmittel zu bewegen.

(gem)

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