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Interview | Beitrag vom 21.03.2020

Nach Festival-Absagen "Corvus Corax" gibt Konzert im Internet

Norbert Drescher im Gespräch mit Ute Welty

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Corvus Corax auf der Bühne beim M'era Luna Festival 2019. (Picture Alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Speidel)
In den Songs von "Corvus Corax" geht es unter anderem um die Pest. Jetzt gibt die Band Onlinekonzerte wegen der Corona-Pandemie. (Picture Alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Speidel)

Das Mittelalter gehört für die Band "Corvus Corax" zum Markenkern. Aber in der Coronakrise setzten die Musiker auf das Internet, um sich mit einem Konzert-Streaming neue Einkünfte zu erschließen. Schlagzeuger Norbert Drescher ist trotz der Festival-Absagen optimistisch.

Wie so viele Bands sind auch "Corvus Corax" durch die Corona-Pandemie von Konzertabsagen in Tschechien, Frankreich und Italien getroffen. Die Festivalsaison sei schon beendet, bevor sie angefangen habe, sagt Norbert Drescher, Schlagzeuger und Komponist der Band aus der deutschen Mittelalterszene, deren Bandname "Kolkrabe" bedeutet. Deshalb streamen die Musiker heute um 20 Uhr auf ihrer Webseite ein aufgezeichnetes Konzert.

Fans haben die Möglichkeit, auf der Webseite über einen Knopf für die Band zu spenden, deren Mitglieder und Familien von der Musik leben. Zehn Prozent der Einkünfte gehen an die Tafel "Laib & Seele", die in Berlin auf dem gleichen Hof seien wie das Studio der Band.

Erinnerung an die Pest 

Gespielt wird unter anderem der "Totentanz-Song", mittelalterliche Musik mit Bezug auf die Pest. "Musik lebt ja prinzipiell gerne von Dramatik", sagt Drescher zu möglicher Kritik an der Liedauswahl.  Das sei nicht etwa unangemessen. "Wir wollen zeigen, dass es auch früher schlimme Zeiten gab." Das Leben gehe dennoch weiter. "Man muss halt gucken, wie man über die Runden kommt, man muss auf seine Nächsten aufpassen und da ist das Wort Solidarität ganz wichtig", so der Schlagzeuger. Alle, die nicht mehr rausgehen dürften, wolle die Band mit ihrer Musik beglücken.

Natürlich vermissten die Bandmitglieder ihr Publikum, so Drescher. Die Energie, die man da als Musiker gebe und zurückbekomme, das sei mit einer Studioaufnahme nicht zu vergleichen. "Das fehlt uns natürlich sehr." Bei der Aufzeichnung habe er sich vorgestellt, es sei ein Konzert und er gehe auf die Bühne. "Das Publikum, auch wenn ich es nicht sehen kann, ist ja trotzdem da", sagt Drescher. "Das hat super funktioniert."

Neue Wege für die Zukunft 

Es gebe einen regen Austausch unter Musikern über die jetzige Lage. Noch schwerer hätten es bildende Künstler, deren Ausstellungen auch alle abgesagt seien. Die Bilder im Internet auszuhängen, sei nicht so spannend. "Jeder versucht halt irgendeinen Weg zu finden." Er sei ein Optimist, sagt Drescher.          

Von den jetzigen Erfahrungen werde in der Zukunft sicher einiges übrig bleiben. "Corvus Corax" habe vorher nie darüber nachgedacht, ein Konzert im Internet zu präsentieren. "Obwohl das natürlich für eine Band wie uns, die international viel unterwegs ist, naheliegend ist." Man könne schließlich nicht schnell nach Chile fliegen und da spielen, aber es gebe dort sehr viele Fans. Es könnten sich jetzt neue Möglichkeiten entwickeln, die auch ein neues Standbein für die Band werden könnten.

(gem) 

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