Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 24.01.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 08.12.2019

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung

Nils Minkmar im Gespräch mit Vladimir Balzer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)
Ein einsamer Schokoladen-Nikolaus auf dem SPD-Parteitag. (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen.

"In die neue Zeit" war das Motto des SPD-Parteitages in Berlin. Die Partei wollte Mut finden, Aufbruchsstimmung generieren. Um den neuen Zusammenhalt zu zeigen, sangen die Delegierten zum Abschluss gemeinsam die "Internationale".

Dabei sei kein SPD-Parteitag so wenig international gewesen wie dieser, meint der Autor und SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar: "Hier ging es nur noch um Nabelschau."

Die Sozialdemokraten würden sich fortwährend von sich selbst distanzieren, bemängelt Minkmar. Dabei müssten die Selbstzweifel überwunden und ein neues Selbstvertrauen gefunden werden. 

Ziel: Europäische Bündnisse 

Die Partei solle sich öffnen, statt sich immer mit sich selbst auseinanderzusetzen. Bündnisse mit anderen europäischen Kräften könnten gesucht werden, schlägt Minkmar vor: "Die Probleme, die angesprochen worden, sind ja richtig. Klima, Digitalisierung - aber die wird die SPD nicht alleine lösen können."

Während Willy Brandt noch von Intellektuellen wie Günter Grass unterstützt wurde, sei die SPD heute auf dem Weg zu einer sozialpolitischen Fachpartei, analysiert Minkmar: "Ich find das auch toll, wenn sich die Leute da so gut engagieren, aber das ist ja nicht unsere ganze Gesellschaft." Die Studierenden hätten zum Beispiel auf dem Parteitag keine Rolle gespielt: "Das ist eine völlige Selbstverzwergung."

Wo bleibt die Neugier?

Die Partei müsse versuchen, Neugier zu entwickeln: "Mal zu schauen, was ist noch los in der Gesellschaft. Wer teilt die Ideale der SPD? Wer kann sie weiterentwickeln?"

(beb)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsVom Sehnen nach den wilden Zwanzigern
Kabarett und Varieté: Ballett. Revue-Girls des Damenballetts Ehed Karina, Berlin.  (picture alliance/dpa/ akg-images)

Der Vergleich drängt sich auf: Die wilden, goldenen 1920er-Jahre - und die Dekade, die gerade angebrochen ist. "Die Zeit" lässt Florian Illies über die Sehnsucht nach früher philosophieren- inklusive gewagter Metaphern zu den "alten" 20er-Jahren. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur