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Fazit | Beitrag vom 18.05.2019

Nach dem Rücktritt von HC StracheSaubermann unter Korruptionsverdacht

Josef Haslinger im Gespräch mit Britta Bürger

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Der österreichische Vizekanzler Heinz Christian Strache erklärt am 18.5.2019 vor der Presse seinen Rücktritt. In Österreich stehen nun Neuwahlen bevor. (Leopold Nekula / viennareport / imago-images)
Der österreichische Vizekanzler Heinz Christian Strache erklärt am 18.5.2019 vor der Presse seinen Rücktritt. In Österreich stehen nun Neuwahlen bevor. (Leopold Nekula / viennareport / imago-images)

Nach dem Rücktritt des Vizekanzlers Heinz Christian Strache im Zuge der sogenannten "Ibiza-Affäre" wird es in Österreich Neuwahlen geben. Der Schriftsteller Josef Haslinger sieht das Geschehen als Befreiungsschlag für die Demokratie des Landes.

Der österreichische Vizekanzler HC Strache (FPÖ) ist zurückgetreten. Er stolperte 2017 in eine ihm gestellte Falle, die per Video aufgezeichnet und am Freitag veröffentlicht wurde. Beim Treffen mit einer angeblichen Multimillionärin, einer Nichte eines russischen Oligarchen, auf Ibiza erklärte Strache ihr, wie sie verdeckte Parteispenden an die FPÖ schleusen könnte. Er versprach ihr zudem lukrative Staatsaufträge.

Für den österreichischen Schriftsteller Josef Haslinger ist Straches Rücktritt "ein Befreiungsschlag. In meinem Umfeld ist man glücklich, dass so jemand enttarnt wurde. Wir haben gehofft, dass Strache irgendwann wegen seiner Verankerung im Rechtsradikalismus gestürzt wird. Das ist jetzt aber ein ganz anderes Szenario, nämlich schlicht Korruption."

Die komplette Videolänge beträgt sieben Stunden

Haslinger sagt, er möchte gar nicht über die Urheber des Videos spekulieren. "Ich kenne nur sieben Minuten dieses Videos. Es gibt aber sieben Stunden. Was in diesen sieben Stunden passiert ist, weiß Strache natürlich selbst am besten. Interessant ist, dass er sich bei seiner Frau und auch beim Bundeskanzler öffentlich entschuldigt hat. Offenbar hat er in dieser Zeit etwas gesagt oder getan, wofür er sich bei den beiden entschuldigen musste. Das Video ist ja ein halbes Jahr vor der letzten Parlamentswahl aufgenommen worden. Wir wissen nicht, was da noch alles kommt, aber ich glaube, wir werden das ganze Video stückweise präsentiert bekommen."

Ein Opfer der eigenen Dummheit

Dass Strache sich jetzt als Opfer darstelle, findet Haslinger absurd. "Das ist ein Korruptionsskandal sondergleichen. Dass jemand einen russischen Oligarchen ermuntert, die größte österreichische Zeitung aufzukaufen und dann das Personal auszutauschen, ist mit nichts vergleichbar und zeugt von großer Dummheit. Das Entscheidende ist, dass er sich durch die Verlockung des großen Geldes hat verführen lassen, auszupacken, was eigentlich sein Plan ist."

Bei den FPÖ-Stammwählern werde sich gar nichts ändern, glaubt Haslinger. "Die werden ihm die Opferrolle abnehmen. Ich bin für diesen Coup aber dankbar, weil er zeigt, dass ausgerechnet Strache, der sich immer so gerne als Saubermann verkauft hat, vorhatte, diesem Staat durch korrupte Methoden die demokratische Grundlage zu entziehen. Eigentlich muss man ihm dankbar dafür sein, dass er so blöd ist."

(rja)

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