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Interview | Beitrag vom 18.09.2019

Nach Angriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien Bisher keine "Handschrift" erkennbar

Jan van Aken im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Luftbild der Ölanlagen mit Gebäuden und Straßen in karger Landschaft. (Europäische Kommission/AP/dpa)
Satellitenaufnahme der angegriffenen Raffinerie in Saudi-Arabien, veröffentlicht von der Europäischen Kommission (Europäische Kommission/AP/dpa)

Die jüngsten Anschläge auf saudi-arabische Ölanlagen können derzeit keinem Angreifer zugeordnet werden, sagt der Linken-Politiker Jan van Aken. Aufschluss erwartet er von einer Untersuchung der Vereinten Nationen, die aber Zeit brauche.

Nach dem Angriff auf wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien will US-Außenminister Mike Pompeo mit der saudischen Führung über eine Reaktion beraten. Unklar ist bisher immer noch, wer für die Angriffe verantwortlich ist.

Die jemenitischen Huthi-Rebellen hatten die Angriffe für sich reklamiert. Sie pflegen enge Beziehungen zum Iran und stellen die Drohnen-Angriffe als angeblichen Widerstand gegen die saudische Militärintervention in Jemens Bürgerkrieg dar.

Die saudische Regierung behauptet, es seien iranische Waffensysteme eingesetzt worden. Die Führung in Teheran bestreitet jedoch jede Beteiligung.

Auch die USA könnten verantwortlich sein 

Der Rüstungsexperte im Bundesvorstand der Linkspartei, Jan van Aken, verweist auf die Schwierigkeit, einem solchen Angriff die "Handschrift" eines bestimmten Angreifers zuzuordnen. Selbst wenn Bomben-, Raketen- oder Drohnenreste "eindeutig iranischer Bauart" gefunden würden, hieße das nicht, dass der Iran den Anschlag tatsächlich verübt habe. Ebenso könne man argumentieren, dass die USA beteiligt gewesen seien, denn die USA setzten die meisten bewaffneten Drohnen ein. "Das ist natürlich genauso Unsinn, wie zu sagen: 'Es ist iranische Handschrift'."

Auch die Huthi-Rebellen könnten Drohnen bauen. Vermutlich aber nicht solche, die die Strecke vom Jemen bis zu den saudischen Ölanlagen überwinden könnten, sagt der Linken-Politiker.

Bislang kein Täter in Sicht 

Aufschlussreicher sei es zu schauen, aus welcher Richtung der Angriff geflogen worden sei. Satellitenaufnahmen deuteten auf einen Angriff aus dem Westen hin, sagte van Aken. Deshalb könne er auch "möglicherweise in Saudi-Arabien" selbst gestartet worden sein. "Es ist wirklich relativ unklar. Das heißt: Indizien, die im Moment öffentlich bekannt sind, deuten für mich auf niemanden hin", so der Linken-Politiker.

Der Linken-Politiker Jan van Aken (imago stock&people)Der Linken-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete, Jan van Aken: "Indizien, die im Moment öffentlich bekannt sind, deuten für mich auf niemanden hin." (imago stock&people)

Nirgends werde so viel gelogen wie im Krieg. "Es gibt sehr viele militärische Aktionen, die von einer Partei gemacht werden, um sie der anderen Partei in die Schuhe zu schieben."

Deshalb sei es hilfreich, wenn die Vereinten Nationen den Anschlag untersuchen würden. Das brauche Zeit, sei aber im Ergebnis "sehr objektiv", so der Linken-Politiker. Angesichts der akuten Kriegsgefahr zwischen den USA und Iran  – "es könnte ja sein, dass noch in diesen Tagen tatsächlich Bomben auf Iran fallen" – sei eine unabhängige Untersuchung der richtige Weg.

(huk)

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