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Fazit | Beitrag vom 05.01.2019

Nach Absage in BerlinStartet das DAU-Projekt in Paris?

Eberhard Spreng im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Das "Théâtre de la Ville" in Paris. Hier soll das DAU-Projekt stattfinden. (imago/Marius Schwarz)
Das "Théâtre de la Ville" in Paris. Hier soll das DAU-Projekt stattfinden. (imago/Marius Schwarz)

In Berlin scheiterte das Kunstprojekt DAU an den nötigen Genehmigungen. Mitten in Berlin sollte die originalgetreue Kopie der Mauer wieder errichtet werden, innerhalb derer man sich dann als Besucher in einer Welt der ständigen Beobachtung und Kontrolle bewegen würde. Nun soll DAU in Paris starten.

Am 23. Januar soll DAU in Paris beginnen. Dort wird allerdings ein anderer Schwerpunkt gesetzt werden, als er in Berlin geplant war. Im Spätsommer 2018 scheiterte das Kunst-Projekt vor allem dran, das nötige Genehmigungen für den Mauerbau fehlten. "Ursprünglich sollte dieses Projekt in den drei Städten Berlin, Paris und London unter der Trias Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit stattfinden", erklärt Kritiker Eberhard Spreng. "Das heißt, Gleichheit wäre dann für Paris vorgesehen. Aber diese Begriffe, die ja in der französischen Revolution eine große Rolle spielen, werden jetzt in diesem Projekt überhaupt nicht mehr genannt. Ich glaube, dass die Veranstalter auf diese Dramaturgie verzichtet haben."

Das Experiment DAU

Für das Projekt hat der russischen Filmemacher Ilya Khrzhanovsky drei Jahre lang 400 Menschen in Charkiw wie zu Zeiten der Sowjetunion leben lassen und mit der Kamera überwacht. Das Set bildete eine kreative Rekonstruktion des 'Instituts für Physikalische Probleme der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften'. "Die Filme werden noch streng geheim gehalten", so Eberhard Spreng, "was man schon gehört hat, ist, dass es sich wirklich um eine sehr beklemmende Atmosphäre handelt, wo diese privilegierten Wissenschaftler der Stalinzeit in Gesprächen und Amouren vertieft sind. Auch Sexszenen werden wohl unerbittlich gezeigt und dann das unerbittliche Überwachen."

Gefilmt wurden über 700 Stunden auf 35-mm. "Und diese antiquierte Technik des 35-mm-Films und dieses Experiment, wo niemand genau wusste, was passiert und wo keiner am Set genau weiß, was er zu planen hat, das ist eine große Herausforderung, ein großes Abenteuer", so Spreng.

Emotionale Dringlichkeit in Paris

Diese Filmaufnahmen sollen nun bei dem DAU-Projekt in Paris gezeigt werden. Stattfinden soll das Ganze auf dem zentralen Place du Châtelet, wo sich die zwei Theater "Théâtre du Châtelet" und "Théâtre de la Ville" gegenüber stehen. "Ich konnte vor kurzem einige Räume im Châtelet besichtigen, die schon vorbereitet worden sind. Es erinnert ein bisschen an Themenparks. Rot gestrichene Wände, im Stil der Stalinzeit ausgestattet Räume, in denen verschiedene Kabinen abgeteilt sind, in denen man sich  Filmausschnitte anschauen kann. Die großen Filme sollen im Theater gegenüber laufen", so Spreng.

"Es gibt auch eine spirituelle Begleitung. Wer von den Filmen allzu sehr mitgenommen ist, kann dann mit einem Rabbiner, mit einem Iman, mit einem Priester oder Schamanen sprechen und sich dort Hilfe geben lassen. Diese mystische und emotionale Dringlichkeit sollen etwas sein, wie DAU in Paris die Menschen beeinflussen soll", erklärt Eberhard Spreng.

Genehmigungen fehlen

Quer über den Platz sollen die beiden Theater mit einer Brücke verbunden werden, allerdings gibt es dafür aktuell noch keine Genehmigung. "Das scheint mir auch die Achillesferse des Projekts zu sein", sagt Eberhard Spreng, denn man wisse nicht genau, ob die Pariser Behörden bis zum Start die Brücke noch genehmigen werden.

(nh)

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