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Tonart | Beitrag vom 01.10.2018

Musikunterricht an SchulenWo sich Hinhören lernen lässt

Ortwin Nimczik im Gespräch mit Mascha Drost

Drei Kinder spielen vor Notenständern auf ihren Blockflöten. (picture alliance / JOKER / Ralf Gerard)
Wertschätzung gegenüber dem Musikunterricht könne man besonders dadurch steigern, dass man die Ergebnisse präsentiere, so Ortwin Nimczik. (picture alliance / JOKER / Ralf Gerard)

Musikunterricht an Schulen fördert nicht nur Kreativität und Offenheit, sagt Ortwin Nimczik. Der Präsident des Bundesverbandes Musikunterricht meint, wer dort Hinhören lerne, der schenke auch Mitmenschen ein Ohr.

"Es wird nicht erkannt, dass Musikunterricht eine der wenigen Oasen in der Schule ist, wo Herz und Kopf gleichermaßen erreicht werden können." Das sagte Christian Höppner, der Generalsekretär des Deutschen Kulturrates, im Deutschlandfunk Kultur letzte Woche in unserem Programm zu einem Zeitpunkt, als der 4. Bundeskongress Musikunterricht in Hannover gerade begonnen hatte.

In dessen Umfeld hat man gerade in den letzten Tagen viel von den Problemen des Musikunterrichts erfahren: zu wenig Lehrer, zu viel Unterrichtsausfall, zu wenig Wertschätzung auch gegenüber anderen Fächern, viele Seiten- und Quereinsteiger und fachfremd erteilter Unterricht. Der Bundesverband Musikunterricht warnt vor einer weiteren Abwertung des Unterrichtsfaches Musik und stellte dabei auch klar, dass die Ausbildung von Musikpädagogen sich verändern müsse, um sich beispielsweise auf immer heterogenere Klassen einzustellen.

Der Bundeskongresses Musikunterricht ist am gestrigen Sonntag nun zuende gegangen. "Wir haben erstmalig im Rahmen des Bundeskongresses eine Runde zusammen bekommen, initiiert durch das niedersächsische Ministerium, an dem die Musikbeauftragten der 16 Bundesländer beteiligt waren, und die untereinander diskutiert haben." Das verzeichnete Ortwin Nimczik, der Präsident des Bundesverbandes Musikunterricht, als Erfolg.

Nachqualifizierung von musikaffinen Lehrern 

Als eins der Ergebnisse hielt er fest. "Es besteht keinerlei Diskussion darüber, dass wir tatsächlich einen strukturellen Musiklehrermangel haben." Für die Nachqualifizierung von musikaffinen Lehrern im Schuldienst gebe es in einzelnen Ländern schon "wunderschöne Modelle, die als best practice weitergereicht werden können".

Zudem gebe es, so habe der Kongress gezeigt, "ein gemeinsames Verständnis, über das, was wir Seiteneinsteiger nennen, was wir uns überhaupt leisten können, wenn wir Seiteneinsteiger einstellen, ohne sofort dem Verdacht und der Tatsache der Entprofessionalisierung zu erliegen".

Open-air-Bühne mit 500 musizierenden Schülern

Wertschätzung gegenüber dem Fach könne man besonders dadurch steigern, dass man die Ergebnisse des Musikunterrichts präsentiere, so Nimczik weiter. In Hannover gab es während des Kongresses eine große Open-air-Bühne mit 500 musizierenden Schülern. Es gehe darum, das Bewusstsein zu verändern. Neben der Kreativität und Offenheit, die der Musikunterricht fördern könne, sei auch das Hinhören auf die Musik ein wichtiger Aspekt. "Das ist eine pädagogische Option auf das Hinhören auf meinen Mitmenschen", sagte Nimczik. (cwu)

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