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Tonart | Beitrag vom 17.01.2020

Musiktheater bei Ultraschall BerlinKünstliche Intelligenz berät den Menschen

Thomas Fiedler im Gespräch mit Andreas Müller

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Symbolbild: Zu sehen ist ein Auge und daneben ein Programmcode, alles ist sehr farbig. (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)
Wie wird künstliche Intelligenz einmal aussehen? Und wird sie agieren wie im Stück "Also sprach der Golem? (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)

Das Musiktheaterstück "Also sprach Golem" beim Festival für neue Musik, dem Ultraschall Berlin, verhandelt die Beziehung zwischen künstlicher Intelligenz und dem Menschen. Es basiert auf dem Roman von Stanislaw Lem – und stellt Fragen an die Menschheit.

Beim Ultraschall Berlin, dem Festival für neue Musik, gibt es zahlreiche Konzerte, Diskussionen - und ein Musiktheater: "Also sprach Golem" ist ein Projekt des Komponisten Kaj Duncan David und der Theaterproduktionsgruppe "Kommando Himmelfahrt". Zugrunde liegt dem Stück der gleichnamige Roman des polnischen Science-Fiction-Autors Stanislaw Lem. Am morgigen Samstagabend erlebt das Musiktheater seine Uraufführung. Das Festival insgesamt läuft seit Mittwoch, veranstaltet von Deutschlandfunk Kultur und rbbKultur.

In dem Buch von Lem aus dem Jahr 1973 gehe es um einen Supercomputer, erklärt Thomas Fiedler, Librettist und Regisseur von "Kommando Himmelfahrt". Der Computer sei ursprünglich vom Militär entwickelt worden, habe sich aber sehr schnell als desinteressiert an militärischen Dingen herausgestellt. Er werde dann zu einem Philosophen, der der Menschheit beziehungsweise einem ausgewählten Kreis, den er selbst mitbestimme, Vorträge hält.

Entscheidende Frage an uns Menschen

Viele der Fragestellungen Lems seien jetzt mit der Entwicklung des Computers und der künstlichen Intelligenz umso virulenter geworden, sagt Fiedler.

Zwischen dem Golem und dem Menschen gebe es keinen Machtkampf, der Golem fordere den Menschen nicht heraus. Der Golem versuche vielmehr, aus seiner Perspektive dem Menschen zu sagen, wo er seiner Meinung nach steht. "Zum Teil ist das fast schon beleidigend für die Menschheit", so Fiedler. Denn der Golem sage, dass wir aus Fehlern entstanden sind und dass unsere Perspektive eine fragwürdige ist.

Der Golem habe eine interessante Haltung, findet Fiedler: "Es geht nicht immer um den heroischen Kampf mit einem Sieger und einem Verlierer. Sondern es kann um eine gemeinschaftliche Entwicklung gehen." Die entscheidende Frage werde an uns Menschen gestellt: Wie wollen wir uns weiterentwickeln, welche Schritte sind wir bereit zu gehen?

(abr)

"Also sprach Golem", das Libretto von Thomas Fiedler nach dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem, wird am Samstag, 18. Januar 2020 im Radialsystem Berlin uraufgeführt und von Deutschlandfunk Kultur ab 19.30 Uhr live übertragen. Eine zweite Aufführung gibt es am Sonntag-Nachmittag.

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