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Tonart | Beitrag vom 11.08.2016

Musikszene Brasiliens in den 90er-JahrenSound der Favelas

Von Thorsten Bednarz

(picture alliance / dpa / Juan Francisco Moreno)
Der Musiker Carlinhos Brown stieg in den 90er-Jahren in Brasilien zum nationalen Star auf. (picture alliance / dpa / Juan Francisco Moreno)

Zusammen mit dem brasilianischen Musiker Ed Motta streifen wir durch die Musikgeschichte des Olympialandes. Heute geht es um die schwarze Musik in den Favelas, eine Mischung aus Samba und Reggae: Auch Michael Jackson ließ sich von diesem Sound inspirieren.

In den 90er-Jahren endlich beruhigte sich die Situation in Brasilien. Dank einer Währungsreform konnte die Inflation bereinigt werden, die Wirtschaft sprang an und Brasilien stieg relativ schnell zu einem Land an der Schwelle zur wirtschaftlichen Großmacht auf. Das machte auch keinen Bogen um die Musikszene, wie Ed Motta erklärt.

"Für die Generation der 90er-Jahre war die Vorstellung von Erfolg und Geld super klar. Das war etwas ganz anderes als die Unschuld in den 70er-Jahren und der musikalische Aktivismus der 60er."

Und für die Erfolgsaussichten stand damals ein ganz neuer Sound aus den schwarzen Ghettos – eine Mischung aus Samba und Reggae, der Einfachheit Sambareggae genannt.

Michael Jackson fuhr in die Slums von Bahia

Musiker wie Carlinhos Brown und Margareth Menezes stiegen schnell zu nationalen und bald auch internationalen Stars auf. Die internationale Weltmusikszene, die sich in den 90ern in Europa und Nordamerika stark aufgestellt hatte und nun auch langsam aus ihrer Nische ins allgemeine Musikbewusstsein vordrang, tat ihr Übriges. Und selbst internationale Stars sprangen bald schon auf diesen neuen Sound auf. Selbst der King of Pop, Michael Jackson, fuhr in die Slums von Bahia und arbeitete dort mit Olodum, einem von vielen in den letzten Jahren entstandenen Block von Sambatrommlern.

Während der Sambareggae aus Bahia kam und Ausdruck eines neuen schwarzen Bewusstseins aus den Ghettos wurde, da kam plötzlich auch aus dem eher weiß geprägten Sao Paulo ein neuer Sound – der Manguebeat, der elektronische Tanzmusik wie Techno und House ebenso widerspiegelte wie Punk und geschickt mit den großen Hits der Musica Popular Brasilieira würzte. Allen voran waren damals Chico Science und Nacao Zumbi.

Ed Motta: "Der Manguebeat ist eher ein Sound aus Sao Paulo. Da stiegen diese Musiker fast zu Göttern auf. Als dieser Sound aufkam, das könnte man in Europa und den USA mit Nirvana und dem schnellen Erfolg des Grunge vergleichen."

Als "Land der Musik" sieht sich Brasilien selbst und meint damit bei weitem nicht nur Samba, Bossa Nova oder Choro. In einer fünfteiligen Reihe blicken wir mit dem brasilianischen Musiker Ed Motta auf die Entwicklung der letzten 50 Jahre.

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