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Tonart | Beitrag vom 11.07.2019

Musikprojekt "Africa Express" Auf eine Jamsession mit afrikanischen Musikern

Von Amy Zayed

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Damon Albarn (l) and Nainy Diabate (r.) treten im Rahmen des Africa-Express-Projekts gemeinsam auf.  (picture alliance / Photoshot)
Damon Albarn and Nainy Diabate treten im Rahmen des Africa-Express-Projekts gemeinsam auf. (picture alliance / Photoshot)

Die Musikszene in Afrika ist extrem vielfältig. Doch selbst Musiker, die in ihren Ländern sehr erfolgreich sind, kennt man anderswo auf der Welt oft nicht. Blur-Frontmann Damon Albarn wollte das ändern und startete das Projekt "Africa Express".

"Wenn man sich fünf Tage lang in Hütten in Johannesburg verbarrikadiert und Tag und Nacht nur Musik macht, dann kommt dieses Album dabei raus", sagt Damon Albarn. Und das ist ein ziemlich spannender Mix aus traditionellen südafrikanischen Sounds, gemischt mit Funk, Hip-Hop und einer gehörigen Portion neuem südafrikanischen Elektro und Underground. Mit dabei die amerikanische Musikerin Joan as Policewoman, Super-Furry-Animals-Sänger Gruff Rhys, Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, und die Britische Newcomerin Georgia, aber eben auch die südafrikanische traditionelle Frauenband Mahotella Queens, oder die Sängerin Moonchild Sanelly, die in Südafrika bereits als Stilikone für junge Frauen gilt.

"Ich fühlte mich wie ein Kind im Süssigkeitenladen! Und so viele Produzenten! Ich konnte mich richtig austoben", sagt Moonchild Sanelly. "Ich habe die anderen Künstler getroffen, und es hat sofort geklickt. Der Song 'Morals' zum Beispiel wurde direkt in der ersten halben Stunde unseres ersten Treffens geschrieben."

Moonchild Sanelly hat schon ihr eigenes Modelabel, und singt gegen häusliche Gewalt und für sexuelle Aufklärung. Und das führt sie auf "Egoli" auch genauso fort: Die Songs werden einfach während des Jams geschrieben.

Proben und Improvisation

Auch bei Konzerten gibt es keine feste Setlist, sondern man probt einfach zwei Tage lang. Zwei Stunden vorher steht ein vager Plan, nach dem man sich richtet, erklärt Africa-Express-Mitbegründer Ian Birrell.

"Wir jammen einfach drauflos. Natürlich wird das nicht immer super! Manches davon wird ganz schlecht, anderes braucht ein paar Anläufe, und dann gibt es Sachen die laufen einzigartig."

Gegründet wurde "Africa Express" 2005, als der Journalist Ian Birrel, Blur und Gorillaz-Frontmann Damon Albarn und Musikproduzent Stephen Budd beschlossen, dass viel zu wenig Menschen etwas über afrikanische Musik wissen. Albarn, der damals schon musikalische Kontakte nach Mali hatte, packte einfach alle ein, zusammen mit ein paar namhaften Künstlern wie Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs und Alex Kapranos von Franz Ferdinand, und fuhr in das westafrikanische Land. Dort entstand dann das erste Album von "Africa Express" .

"Africa Express" ist für viele Musiker ein Sprungbrett

Seitdem gab es verschiedene Africa-Express-Projekte: Eine Tour mit dem Syrischen Orchester durch Europa, ein anderes Mal fuhren 90 Musiker in einem alten Zug durch Großbritannien und spielten in Büros, Schulen und zum Schluss am Londoner Bahnhof King’s Cross zusammen mit Paul McCartney.

Und so ging die Rechnung auf: Denn für einige afrikanische Musiker wurde "Africa Express" tatsächlich zum Sprungbrett für eine professionelle Musikkarriere außerhalb ihrer Heimat. Das beste Beispiel sind Songhoy Blues aus Mali. Durch Zufall lernten sie das Kollektiv kennen, und landeten mit ihrem Song "Soubour" auf dem in Mali aufgenommenen Album "Maisons des jeunes". Kurz darauf bekamen sie einen internationalen Plattenvertrag, touren mittlerweile weltweit und arbeiten bereits am zweiten Album.

Die Tatsache, dass Damon Albarn einer der Mitbegründer ist, empfindet er selbst als eine Mischung aus Segen und Fluch. Einerseits hilft ein prominentes Gesicht dabei, die afrikanischen Künstler einem westlichen Publikum näher zu bringen, andererseits will er gar nicht so sehr im Rampenlicht sein.

"Eigentlich versuche ich mich zurückzuhalten. Auch bei den Live-Shows. Natürlich bin ich da. Es geht bei "Africa Express" nicht um mich. Natürlich bin ich gern dabei, denn ich bin Musiker und es macht Spaß, aber ich bin lieber Anstoßgeber und möchte nicht so omnipräsent sein."  

So ist Albarn auch auf dem Album nur auf drei Songs zu hören. Und es hat auch musikalisch wenig mit Albarns anderen Projekten zu tun. "Egoli" zeigt Südafrika von einer jungen wilden und gleichzeitig fröhlichen Seite. Sowohl textlich als auch musikalisch spiegelt es die Landschaft, die Ängste und Probleme, aber auch die Freude von jungen Musikern wieder, die einfach die Chance bekommen haben, sich musikalisch auszuleben.

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