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Studio 9 | Beitrag vom 29.03.2020

Musikkritiker zum Tod Krzysztof PendereckisBedeutung des Komponisten "nicht hoch genug einzuschätzen"

Rainer Pöllmann im Gespräch mit Birgit Kolkmann

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Krzysztof Penderecki steht in einem hell erleuchteten Saal und dirigiert. (dpa / RIA Nowosti / Vladimir Vyatkin)
Der polnische Komponist und Dirigent Krzysztof Penderecki war auch mit Deutschland besonders verbunden. (dpa / RIA Nowosti / Vladimir Vyatkin)

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er sei der wichtigste Komponist der Nachkriegszeit für Polen gewesen, sagt unser Musikkritiker Rainer Pöllmann. Sein Werk sei von großen Wandlungen geprägt.

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki ist tot. Er starb am Sonntag nach langer Krankheit in seiner Heimatstadt Krakau (Krakow), wie das polnische Kulturministerium mitteilte. Er wurde 86 Jahre alt.

Pendereck sei der wichtigste Komponist der Nachkriegszeit in Polen und vor allem für Polen gewesen, sagt unser Musikkritiker Rainer Pöllmann. "Seine Bedeutung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen", sagte er. Der Komponist gelte seit Jahrzehnten als der Doyen der polnischen Musik. Er sei auch für Künstler, die ganz andere Wege gingen, von enormer Bedeutung. "In Polen hat er über die letzten Jahrzehnte fast mythische Verehrung genossen." 

Bruch mit der Avantgarde 

Der lange Lebensweg von Penderecki sei nicht auf einen Nenner zu bringen. "Es ist die Geschichte einer Wandlung", sagte Pöllmann. Man könne auch von einem Renegatentum sprechen. Der Komponist habe in den 1950er-Jahren einen fulminanten Einstieg in der zeitgenössischen Avantgarde erlebt. Dazu habe auch eine Aufführung bei den Donaueschinger Musiktagen gehört, dem zentralen Festival für die Avantgarde. Damals sei der Weg ziemlich vorgezeichnet erschienen. 

Penderecki habe dann aber Mitte der 1960er-Jahre eine Wende vollzogen und eine konservativere Haltung eingenommen, so der Kritiker. Auch seine konservativeren Kompositionen hätten sich dann an der Musik des 19. Jahrhunderts orientiert. Der Komponist habe sich damals auch mit sehr polemischen Worten gegen die Avantgarde gewendet, mit sehr wüsten Beschimpfungen. "Die Avantgarde hat ihrerseits reagiert." Diese Auseinandersetzung sei ein gutes zeitgeschichtliches Beispiel für die verhärteten Fronten jener Zeit. 

Die Bedeutung im Film 

Ein Filmkomponist sei Penderecki nicht gewesen, sagt Pöllmann. Wichtiger als die wenigen Werke, die er als Originalmusik für Filme komponiert habe, sei die Musik von ihm, die in Filmen verwendet wurde. Das berühmteste Beispiel sei wohl der Film "Shining" von Stanley Kubrick.

Aber auch im Film seien nicht die späteren, eher romantischen, traditionell geprägten Werke entscheidend gewesen, sondern die großen avantgardistischen Flächenkompositionen, die dann in Horrorfilmen wirkungsvoll eingesetzt worden seien. 

(gem) 

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