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Kompressor | Beitrag vom 15.08.2016

Musikgenre "Neofolk"Soundtrack für den rechten Hipster

Von Matthias Finger

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Die Band "Jännerwein" auf dem 21. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. (imago / Seeliger)
Romantisch, mystisch, keinesfalls modern: die Band "Jännerwein". (imago / Seeliger)

"Neofolk" wird gerne von Mitgliedern der Identitären Bewegung gehört. Die Musik von Bands wie "Jännerwein" oder "Death in June" ist dunkel und nachdenklich und wirkt oft wie eine musikalische "Einstiegsdroge" für den rechten Hipster.

Neofolk ist keine Nazimucke. Punkt. Allerdings gibt es Neofolkbands, die eine Schwäche zu haben scheinen - für rechte Ästhetik - und vielleicht für rechtes Gedankengut. Auch wenn das kein Musiker selbst so sagen würde. Nehmen wir mal "Death in June".

Folklore-Klänge im rechten Dunst

Die britische Band hat den Neofolk in den 80ern mitbegründet. Takte des Horst-Wessel-Liedes wurden da gern mal in eigenen Songs gesampelt. SS-Totenköpfe und Siegrunen gehören immer noch zur Optik.

Screenshot der Band-Homepage der Neofolk-Band "Death of June" (www.deathinjune.net) (Screenshot / Deutschlandradio Kultur)Band-Homepage der Neofolk-Band "Death of June" (Screenshot / Deutschlandradio Kultur)

Aber es gibt auch Menschen mit rechter Gesinnung, die Neofolk, also die neue Folklore, als Projektionsfläche sehen: traurig-gedämpfte Lieder - gern über Themen wie Satanismus, das Mittelalter und den Tod, begleitet von akustischen Gitarren, Trommeln, Flöten.  

Songs über Heimat und Freundschaft als "Einstiegsdroge"

"Für mich ist Neofolk eine Musik, die von Anfang an eine rechte Alternative darstellte. Es ist kein Wunder, dass bei den Identitären Neofolk extrem beliebt ist", sagt Martin Seller, ein Sprachrohr der Identitären Bewegung, in der "Welt".

Neofolk soll der Soundtrack der rechten Hipster sein: Die Identitäre Bewegung ist stramm rechts, allerdings ohne martialisches Nazigehabe sondern betont intellektuell. Dunkel-nachdenkliche Musik von Bands wie "Jännerwein" scheint da gut zu passen. 

Jännerwein singt gern über Freundschaft und Heimat, über die Notwendigkeit zu kämpfen und die Natur:

Kämpfe
(Liedtext-Auszug - "Jännerwein")

"Kämpfe, mein Freund,
Und schone Dich selbst nicht,
Und wisse: Du kämpfst nicht allein!

Lass uns frei und aufrecht ziehen
Durch Hallen aus Marmor und Licht.
Nur kniend können wir ertragen
Dieser Welt Gewicht."

Romantisch, mystisch, keinesfalls modern. Die Identiären empfehlen die Salzburger Band als Einstiegsdroge. Nach Presseberichten haben sich die Musiker jetzt von rechtem Gedankengut distanziert:

"Freilich kann sich keine Band ihre Fans aussuchen; was wir aber können, ist vehement der politisch motivierten Nutzung unserer Musik zu widersprechen. So wenig uns der Musikgeschmack der Identitären schmeichelt, so entschieden verbitten wir uns, für Politik vor den Karren gespannt zu werden."

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