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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.09.2014

Musikfest BerlinEine Deutsche Sinfonie

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Musikfest Berlin (Berliner Festspiele)
Musikfest Berlin (Berliner Festspiele)

Ein monumentales Stück ist die Dritte Sinfonie von Alfred Schnittke. Sie dauert eine Stunde und verlangt ein riesiges Orchester. Der heutige Abend bietet die seltene Gelegenheit sie zu hören. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt sie in unserer Aufnahme unter Leitung des Dirigenten Vladimir Jurowski zusammen mit drei weiteren Werken, die einen engen Bezug zur Stadt Leipzig haben.

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Was für Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy außer Frage steht, mag bei der dritten Sinfonie des russisch-deutschen Komponisten Alfred Schnittke erstaunen. Wirkte Bach als Thomaskantor und Mendelssohn als Gewandhauskapellmeister in Leipzig, hat Schnittke die Stadt höchstens als Besucher betreten. Doch gerade seine dritte Sinfonie zeigt seine geistige Nähe zu diesem Ort, der für die deutsche Musikgeschichte viele schicksalshafte Momente geschaffen hat (u. a. die Geburt Richard Wagners!)

"Sie ist eine deutsche Sinfonie", schreibt der Komponist selbst, "das heißt: Das Stück ist auf Quasi-Zitaten aufgebaut. Richtige Zitate kommen fast nicht vor, aber die Musik weckt ständig Erinnerungen an den Entwicklungsweg der deutschen Musik von Bach bis heute. Es kommen Namen von mehr als zwanzig Komponisten vor. Aus den Buchstaben ihrer Namen gewinne ich Zwölftonleitern...Außerdem gibt es einige mit dem Kompositionsauftrag verbundene Ton-Anspielungen: Begriffe wie Erde, Deutschland, Leipzig...Im dritten Satz erzähle ich die Geschichte der deutschen Musik in ihren verschiedenen Epochen und Perioden vom Mittelalter bis zur Gegenwart!" So erklärt Alfred Schnittke sein knapp einstündiges monumentales Werk, das nicht zuletzt einen riesigen Orchesterapparat verlangt. Und der Bezug zu Leipzig?: Kurt Masur dirigierte die Uraufführung 1981 – mit dieser "Deutschen Sinfonie" wurde das Neue Gewandhaus zu Leipzig eröffnet.

Ähnlich festlich und historisch schwerblütig sind auch die anderen Werke, die das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im ersten Teil seines Beitrags zum Musikfest Berlin spielt: Arnold Schönberg hat ein Orgelwerk des Thomaskantors für Orchester bearbeitet. Mendelssohn beweist mit seiner so genannten Trompeten-Ouvertüre, dass er der eigentliche Erfinder der "Sinfonischen Dichtung" ist. Und der Finne Magnus Lindberg (von der Geburt her Lutheraner!) beschäftigt sich in seinem Orchesterstück "Chorale" mit Johann Sebastian Bachs "Es ist genug", womit der Bezug zu Leipzig wieder eindeutig hergestellt ist.

 

Musikfest Berlin 2014

Aufzeichnung vom 10. September in der Philharmonie

 

Felix Mendelssohn Bartholdy

Ouvertüre C-Dur op. 101 „Trompeten-Ouvertüre"

 

Magnus Lindberg

‚Chorale für Orchester'

 

Johann Sebastian Bach

Präludium und Fuge für Orgel Es-Dur BWV 552, für großes Orchester gesetzt von Arnold Schönberg

 

Alfred Schnittke

Sinfonie Nr. 3

 

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Vladimir Jurowski

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