Samstag, 05.12.2020
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.09.2015

Musikfest BerlinDie fünfte Stimme

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Die Sängerin Barbara Hannigan und das Emerson String Quartet (Kai Bienert/Musikfest Berlin)
Die Sängerin Barbara Hannigan und das Emerson String Quartet (Kai Bienert/Musikfest Berlin)

Das Musikfest Berlin bringt im September die bedeutendsten Klangkörper in die Hauptstadt. Aber auch kleine Besetzungen kommen nicht zu kurz: Das Emerson String Quartet durchmisst in einem musikalischen Kraftakt die Kammermusik der Wiener Schule.

Alljährlich werden zum Saisonauftakt in Berlin die orchestralen Kräfte gebündelt: Die Berliner Festspiele und die Berliner Philharmonie richten das Musikfest Berlin aus, das in dieser Form – als Nachfolgerin der Berliner Festwochen – nun zum 11. Mal stattfindet. Hier treffen die Klangkörper der Hauptstadt auf die führenden Orchester der internationalen Szene, wobei die sinfonischen Programme alljährlich von hochkarätigen Kammerkonzerten flankiert werden. Ein gern gesehener Gast beim Musikfest Berlin ist das Emerson String Quartet, das einen der diesjährigen dramaturgischen Schwerpunkte aufgriff: Zum sinfonischen Schönberg-Zyklus steuerten die amerikanischen Musiker je ein Quartett von Schönberg, Webern und Berg bei – jeweils unter dem etwas entlegen wirkenden, aber für die Wiener Moderne markanten Aspekt der Kopplung Streichquartett und Gesangsstimme. Als gleichsam fünfte Stimme des Quartetts konnte die kanadische Koloratursopranistin Barbara Hannigan, die überragende Diva der modernen Musik, gewonnen werden – für ein Programm, das exklusiv für Berlin erarbeitet wurde.

Beethovens letztes Streichquartett – op. 135 – bildet den Anfang des Programms: Eine musikalische Brücke von der "Ersten" zur "Zweiten" Wiener Schule. Wie sehr Schönberg und Berg der verdichteten thematischen Arbeit Beethovens verpflichtet waren, wie selbstbewusst sie der Spur der Wiener Klassik folgten, das beweisen ihre beiden Quartette nur allzu gut. Ein Sonderfall sind die außerordentlich knappen, nicht im offiziellen Werkverzeichnis zu findenden Stücke Weberns, deren Mitte ein wie hingehauchtes Gedicht des Komponisten bildet. Alles andere als angedeutet ist dagegen der Stimmeinsatz in Schönbergs Zweitem Streichquartett: Zwei Gedichte Stefan Georges geben hier den Ton vor – ein Blick in andere Welten an der Schwelle der modernen Musik.

 

Musikfest Berlin

Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 10. September 2015

 

Ludwig van Beethoven

Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135

 

Anton Webern

Drei Stücke für Streichquartett und Stimme

 

ca. 20.55 Uhr Konzertpause, darin: Barbara Hannigan und das Emerson String Quartet - ein Beitrag von Margarete Zander

 

Alban Berg

"Lyrische Suite" für Streichquartett

 

Arnold Schönberg

Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 10

 

Barbara Hannigan, Sopran

Emerson String Quartet:

Eugene Drucker, Violine

Philip Setzer, Violine

Lawrence Dutton, Viola

Paul Watkins, Violoncello

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur