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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.09.2018

Musikfest Berlin 2018Von der Orgel zum Orchester

Moderation: Volker Michael

Star-Dirigent Yannick Nézet-Séguin (Deutsche Grammophon/ Harald Hoffmann)
Der franko-kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin (Deutsche Grammophon/ Harald Hoffmann)

Premiere beim Musikfest Berlin - zum ersten Mal gastiert das "Rotterdams Philharmonisch Orkest". Sein scheidender Chefdirigent leitet die Tournee zum 100-jährigen Bestehen. In Berlin gibt es Musik von Zimmermann und Bruckner.

Rituale, Zeremonien, Aktionen und Sinfonien - darum geht es beim aktuellen Musikfest Berlin, dem internationalen Orchesterfestival der Berliner Festspiele. Vom Konzert im Allgemeinen bis hin zu vielen Werken, die derlei Bezeichnungen im Titel führen: Das Rituelle, Sakral-Zeremonielle ist omnipräsent überall, wo Töne erklingen. Ohne das vielbeschworene "Konzertritual" würde keine Sinfonie aufgeführt werden können, aber auch jedes Popkonzert ist eine Zeremonie, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht.

Rotterdam Philharmonic Orchestra; Yannick Nezet-SeguinYannick Nézet-Séguin und das Rotterdams Philharmonisch Orkest (Musikfest Berlin / Bob Bruyn)

Zwei sehr unterschiedliche Sinfonien

Zwei Sinfonien ganz unterschiedlicher Art hat das Rotterdams Philharmonisch Orkest im Tourneegepäck. Genauso alt wie das Orchester ist der Kölner Komponist Bernd Alois Zimmermann, der mit seiner häufig rituellen, manchmal sogar aktionistischen Musik im Fokus des Musikfests Berlin steht. Die Rotterdamer Philharmoniker spielen die frühe, um eine Orgelstimme bereicherte Fassung der einzigen und einsätzigen Sinfonie Zimmermanns. Der Komponist wurde durch seine oftmals bekenntnishafte Musik bekannt, hat in freien Formen und mit starken literarische Bezügen gearbeitet - die traditionellen Gattungen Sinfonie und Solokonzert haben ihn nach den Anfangsjahren im Nachkriegsdeutschland nicht mehr nennenswert inspiriert.

Bruckners musikalischer Kosmos

Demgegenüber steht die eigenartige Welt des Anton Bruckner, der in der zunächst abstrakten Form einer Sinfonie alles auszudrücken versteht, was seinen musikalischen Kosmos ausmacht. Manche Musikfreunde sehen seine neun (oder, wenn man die zurückgezogenen Werke mitrechnet, elf) Beiträge zur Gattung als Fortsetzungsroman oder sich jeweils stark ähnelnde Variation ein- und desselben Musters. Die Vierte Sinfonie fällt da fast schon ein wenig aus dem Brucknerschen Rahmen. Sie ist - wie ihr Titel schon verrät - besonders romantisch, im plakativen Sinn des Wortes, und durchaus wienerisch-klassisch. In ihr steht die Musik des Organisten von Sankt Florian mehr in der Nachfolge von Mozart und Haydn und hält ungewöhnlich großen Abstand zu dem einzigen Gott, den Bruckner neben dem Allein-Selig-Machenden zu akzeptieren bereit war, zu Richard Wagner.

Große Dirigentenkarrieren

Der franko-kanadische Musiker Yannick Nézet-Séguin war bis zu diesem Sommer Chefdirigent der Rotterdamer Philharmoniker und ist nun ihr Ehrendirigent. Der junge Israeli Lahav Shani tritt dort seine Nachfolge an. Sein Vorgänger war Valery Gergiev. Somit hat sich das Orchester bereits mehrfach als Wegbereiter großer Dirigentenkarrieren erwiesen. Nézet-Séguin bleibt dem Philadelphia Orchestra und dem Orchestre Metropolitain seiner Heimat Québec als Leiter verbunden. Außerdem ist er nun Musikchef der Metropolitan Opera in New York.

Musikfest Berlin
Live aus der Philharmonie Berlin

Bernd Alois Zimmermann
Sinfonie in einem Satz (Fassung mit Orgel, 1951)

ca. 20.30 Uhr Konzertpause, darin: Der Künstlerische Leiter des Musikfests Berlin, Winrich Hopp, im Gespräch mit Ruth Jarre

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur "Romantische" (2. Fassung 1878/80)

Rotterdams Philharmonisch Orkest
Leitung: Yannick Nézet-Séguin

Dolby Digital 5.0 über Satellit

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