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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.10.2010

musikfest berlin 10

Homogenität der Verschmelzung

Logo musikfest berlin 2010 (Berliner Festspiele)
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85 Jahre alt und kein bisschen müde: Das musikfest berlin 10 feiert Pierre Boulez. Musikalische Traditionen aus aller Welt treten in einen spannungsvollen Dialog mit dem wegweisenden Komponisten und Dirigenten.

"…explosante-fixe…", "berstend-starr", so heißt ein Werk von Pierre Boulez – das einzige eigene Stück, das der Jubilar im Rahmen des Festivals selbst dirigieren wird. Der aus der surrealistischen Tradition stammende Titel scheint den Komponisten treffend zu charakterisieren; zudem ist das Werk eine Hommage an Igor Strawinsky. Konsequent führt das musikfest berlin 10 Boulez und Strawinsky zusammen, deren musikalische und persönliche Begegnungen keineswegs spannungsfrei verliefen. Eine vermittelnde Rolle im Programm des großen Orchestertreffens nimmt Boulez' Zeitgenosse Luciano Berio ein. Außerdem werden Einflüsse des Surrealismus und der außereuropäischen Musik auf Boulez hörbar gemacht. Acht Konzerte des Musikfestes wird Deutschlandradio Kultur in diesem Jahr übertragen - heute: das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von David Robertson.

Im Zentrum des Konzerts steht "Figures – Doubles – Prismes", ein Orchesterwerk, das Pierre Boulez als eine komponierte Auseinandersetzung mit Arnold Schönberg verstand. Angelegt ist es als eine einzige große, alles umfassende Variation. Zugleich ist es eines jener Werke, die Boulez in mehreren Anläufen immer wieder in Angriff nahm und deren Entwicklung mit der bislang letzten Fassung von 1968 (die auch beim Musikfest aufgeführt wurde) eigentlich noch nicht zu Ende sein soll. Und schließlich ist es auch ein Beispiel für eine radikal geänderte "Orchestergeographie", die der sonst üblichen "Homogenität von gestaffelten Gruppen" durch eine andere Verteilung der Musiker eine "Homogenität der Verschmelzung" entgegensetzt.

Umrahmt wird dieses Werk von zwei Komponisten, die Pierre Boulez außerordentlich schätzt und denen er auch als Dirigent im Konzertsaal oder auf CD außerordentlich große Aufmerksamkeit schenkte: Béla Bartók und Maurice Ravel. Von Bartók ist das Divertimento für Streichorchester zu hören, geschrieben kurz vor der erzwungenen Emigration für Paul Sacher und das Basler Kammerorchester. Von Maurice Ravel steht die Musik zu "Daphnis et Chloé" auf dem Programm, eine "Choreograhische Sinfonie", geschrieben für die Ballets russes von Serge Diaghilew.

Auch die Werke des heutigen Programms hat Boulez des Öfteren dirigiert und in Referenzaufnahmen etwa mit dem Cleveland Orchestra, den New Yorker oder Berliner Philharmonikern vorgelegt. Am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin steht David Robertson, der von Boulez sehr gefördert wurde und der von 1992 bis 1999 künstlerischer Leiter des von Boulez gegründeten Ensemble Intercontemporain war. Er zeigt seinen einstigen Mentor in einem Kontext, der sein Komponieren in den Zusammenhang des ganzen 20. Jahrhunderts stellt.



musikfest berlin
Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 15.9.10


Béla Bartók
Divertimento für Streichorchester

Pierre Boulez
"Figures - Doubles - Prismes" für Orchester (in 14 Gruppen)

ca. 20:55 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Maurice Ravel
"Daphnis et Chloé", Choreographische Sinfonie in drei Teilen


Cantus Domus Berlin
Ensemberlino vocale
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: David Robertson

Konzert

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