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Tonart | Beitrag vom 26.08.2019

Musiker zur #Unteilbar-Demo"Man sollte sich nicht einschüchtern lassen"

Michael Tomaszewski im Gespräch mit Carsten Beyer

Ein Foto der 'Banda Internationale' aus Dresden, eine Band mit Musiker*innen aus unterschiedlichen Ländern. Sie sitzen mit ihren Instrumenten auf einem Hinterhof. (Moritz Schlieb)
Eine Musikgruppe, die verbindet: die international gemischte Banda Internationale aus Dresden. (Moritz Schlieb)

Am Samstag haben in Dresden 40.000 Menschen für eine weltoffene Gesellschaft demonstriert - mit dabei war auch die Musikgruppe Banda Internationale. Klarinettist Michal Tomaszewski sieht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Bei den Landtagswahlen am 1. September in Sachsen könnte die AfD laut Umfragen auf 25 Prozent der Stimmen kommen, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt jeweils auf 20 Prozent. Eine Woche zuvor haben in Dresden etwa 40.000 Menschen demonstriert, dass sie mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind. Unter dem Motto #Unteilbar setzten sie ein Zeichen "für Solidarität statt Ausgrenzung".

Banda Internationale spielt bei der Unteilbar-Demo in Dresden. (Katharina Grottker)Aktive Künstler: Banda Internationale bei der Unteilbar-Demo in Dresden. (Katharina Grottker)

Unter den Musikern, die bei der Abschlusskundgebung auftraten, war auch die Dresdner Blaskapelle "Banda Internationale", die sich seit mehr als 15 Jahren gegen rechte Gewalt einsetzt und dafür den Sächsischen Förderpreis für Demokratie erhalten hat.

"Ich glaube, sehr vielen Menschen in Deutschland ist bewusst, was passiert, wenn die AfD in Ostdeutschland - in Sachsen, Brandenburg und Thüringen - Erfolge verzeichnet", sagt Bandmitglied Michal Tomaszewski im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. "Das wird für alle Bundesbürger Folgen haben. Und ich glaube, das war ein deutliches Zeichen, nicht nur aus Dresden und Sachsen, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet, dass man darauf keine Lust hat."

Demonstranten tragen ein Transparent mit dem Schriftzug #Unteilbar bei der gleichnamigen Demo am 24. August 2019 in Dresden. (picture alliance/dpa/Alexey Vitvitsky/Sputnik)Demonstranten bei der #Unteilbar-Demo am 24. August 2019 in Dresden. (picture alliance/dpa/Alexey Vitvitsky/Sputnik)

Der Klarinettist sieht die Mehrheit der Gesellschaft hinter sich: "Was einem den Mut nicht nehmen sollte, ist die Tatsache, dass es immer noch 85, 80, mal schauen, vielleicht nur 75 Prozent sind in Sachsen, die die AfD hier nicht wollen und sie auch nicht wählen werden." Man solle sich nicht einschüchtern lassen, weil man diese 80, 75 Prozent hinter sich wissen sollte.

"Dass die an dem Samstag so zahlreich erschienen sind, dafür können die Dresdner dankbar sein. Was wir nicht verstanden haben, war die Reaktion des Ministerpräsidenten, der sich nicht überwinden konnte, da teilzunehmen, weil dort extreme Gruppen am Start waren."

Vor dem Hintergrund, dass auch der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime vertreten waren, und auch die Philosophin Carolin Emcke teilnahm, "sollte man sich in dieser einen Situation einen Ruck geben", erklärt Tomaszewski.

Demonstranten bei der Abschlusskundgebung der #unteilbar-Demo in Dresden. Eine lächelnde junge Frau hält inmitten einer heiteren Menschenmenge ein Plakat mit der Aufschrift "offen und bunt" in die Höhe. (Sebastian Kahnert / picture alliance / dpa)Demonstranten bei der Abschlusskundgebung der #unteilbar-Demo in Dresden. (Sebastian Kahnert / picture alliance / dpa)

Auf die Frage, was es für die Band bedeute, wenn die AfD mit großem Erfolg in den Landtag einziehe, sagt der Musiker: "Wir haben mehr Angst vor körperlichen Übergriffen, vor Unfreundlichkeiten und Aggressivität im täglichen Leben." Tomaszewski zeigt sich zuversichtlich:

"Es gibt so viele Menschen, auch in Sachsen, die in die Zukunft blicken wollen und nicht in die Vergangenheit. Uns ist es ein Anliegen, diesen Menschen den Rücken zu stärken und sie auch sichtbar zu machen."

(leg)

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