Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Montag, 25.01.2021
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Tonart | Beitrag vom 02.12.2020

Musiker Tim Burgess in der Pandemie"Wir werden nicht aufhören"

Moderation: Andreas Müller

Beitrag hören
Der Musiker Tim Burgess steht in einer blauglänzenden Jacke auf einer Bühne, im Hintergrund Scheinwerferlicht.  (picture alliance / Photoshot / Gonzales Photo / Tord Litleskare)
Live-Auftritte vor Publikum hat Tim Burgess im Moment wegen der Coronasituation keine. Stillstand ist bei ihm trotzdem nicht angesagt. (picture alliance / Photoshot / Gonzales Photo / Tord Litleskare)

"Twitter Listening Parties", ein Clubrettungsprojekt, eine neue Platte: Auf die Corona-Pandemie reagiert der britische Musiker Tim Burgess mit Aktivität. Ein Vorhaben des Leadsängers von The Charlatans sei noch gar nicht bekannt, sagt er.

Viele Musikerinnen und Musiker konnten in der ersten harten Zeit der Pandemie nicht wirklich kreativ sein, wirkten wie gelähmt. Ganz anders der britische Musiker Tim Burgess, bekannt vor allem als Leadsänger der Band The Charlatans. Er war geradezu ruhelos. Er ließ ein Feuerwerk an Tweets los und lobte die Platten von Kolleginnen und Kollegen: "Twitter Listening Parties". Er nahm Sessions auf, nun eine neue EP.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Die "Listening Parties" auf Twitter habe er schon ganz lange gemacht, sagt Tim Burgess. Allerdings nur mit Alben von The Charlatans. Zu Beginn der Pandemie habe er dann getwittert, dass er das noch mal mache, wohl zum fünften Mal. "Dann haben sich andere Leute bei mir gemeldet, die ihre Platten vorstellen wollten: Blur, Oasis, Róisín Murphy, die Chemical Brothers, und zu meiner Überraschung: Kylie Minogue."

Mit "Gorilla TV" gegen Clubschließungen

Doch Burgess engagiert sich auch für Clubs. Beispielsweise für Venues Gorilla und Deaf Institute in Manchester, denn die sollten Anfang des Jahres geschlossen werden. Burgess trug mit anderen dazu bei, dass das nicht passiert ist. Es gehe dabei nicht unbedingt darum, Geld zu sammeln, betont er. "Manchmal reicht es schon, eine Öffentlichkeit herzustellen."

Das sei die Art von Hilfe, die er geben könne. "Das und mein Vorschlag, für den Rest meines Lebens da Platten aufzulegen." Andere, teilweise traditionsreiche Läden, mussten jedoch schließen oder sind bedroht.

Aber der Musiker versucht auch, mit Blick auf die Corona-Pandemie zu helfen. Unter dem Namen "Gorilla TV" hat Burgess ein Projekt im Gorilla Club, einem Veranstaltungsort in Manchester initiiert. "Ich habe meine Follower auf Twitter gebeten, eine Marke zu kaufen", erklärt er. Diese Marke könnten sie, wenn alles wieder normal sei, in diesem Club gegen einen Kaffee einlösen.

"Im Grunde steckt da auch eine Spende drin, eine Spende in Höhe von vier Pfund, die einer Film-Crew und ein paar Bands zugutekommt, damit die jetzt schon etwas im Gorilla Club machen können."

Im Moment fühle es sich so an, als ob alles stillstünde, alles aufhöre, so Burgess. "Ich will mit der Aktion zeigen: Wir werden nicht aufhören."

Buchvertrag unterschrieben

Auch was Platten angeht, ist Tim Burgess produktiv. Erst im Mai gab es das Album "I Love the New Sky"; allerdings ohne wirkliche Chance, das richtig promoten zu können.

Nun ist eine EP erschienen mit zwei neuen Songs und vier Tracks, die bei Sessions für das "Paste Magazine" entstanden sind. Er habe ohnehin noch zwei Songs aufnehmen wollen. Ihr letzter Auftritt vor dem Lockdown sei für das "Paste Magazine" gewesen und diese Aufnahmen hätten ihm gut gefallen. "Also dachte ich: Eine EP würde diese Zeit gut festhalten, diese noch nie dagewesene Situation", erinnert sich Burgess.

In der kommenden Zeit wolle er sich dem Schreiben widmen, sagt der Musiker. Aber nicht nur dem Schreiben neuer Songs für sein nächstes Album: "Ich habe gerade den Vertrag für ein Buch unterschrieben, für das ‚Listening Party‘-Buch. Das ist jetzt eine exklusive Info. Ich weiß gar nicht, ob ich das schon rumposaunen darf. Aber ich freue mich einfach."

(abr)

Mehr zum Thema

"Independent Venue Week" in London - Der Kampf der kleinen Musikclubs
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 04.02.2019)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur